ProsiebenSat1 steigt in erste Börsenliga auf

München - Die Hauptstadt des Dax

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München - München ist die unangefochtene Hauptstadt der Dax-Unternehmen. Sechs der 30 Schwergewichte haben ihren Sitz in München und der Region – in zwei Wochen kommt mit ProSiebenSat1 der siebte Dax-Wert dazu.

Spekulationen gibt es seit Monaten, nun ist es so weit: Das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 steigt noch vor Ostern in die erste Börsenliga auf. Damit haben bald sieben der 30 umsatzstärksten deutschen Unternehmen ihren Hauptsitz in München und der Region – darunter BMW, der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Umgebung, der wertvollste bayerische Konzern Siemens, und Europas größter Versicherer Allianz. München ist damit die unangefochtene Hauptstadt des Dax. Der wichtigste deutsche Aktienindex spiegelt die Entwicklung der 30 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Unternehmen wider. Ändert sich über Monate hinweg der Börsenwert, steigen Unternehmen in den Dax auf, andere steigen ab – ähnlich wie in der Fußball-Bundesliga.

Auch im Index der mittleren Unternehmen (MDax) ist München stark vertreten. Unter den insgesamt 50 Werten tauchen acht Münchner Firmen auf. Beim TecDax sind es sechs von 30, was bundesweit ebenfalls die größte Konzentration darstellt.

Indiz für Attraktivität der Wirtschaftsregion

OB Dieter Reiter (SPD) und Bürgermeister Josef Schmid (CSU), gleichzeitig Wirtschaftsreferent der Stadt, reagierten erfreut auf den erfolgreichen Aufstieg von ProSiebenSat1. Wirtschaftspolitisch sei das ein weiteres Indiz für den erfolgreichen Standort München, erklärte Reiter. Schmid sagte, die Strategie der Stadt, die gesamte Metropolregion auch als Kultur- und Kreativstandort zu stärken, gehe auf. 

Stadtkämmerer Ernst Wolowicz, SPD, bewertete die Entwicklung bei ProSiebenSat1 ebenfalls als Indiz für die Attraktivität der Wirtschaftsregion München. In puncto Gewerbesteuer profitiert die Stadt allerdings nicht, das Medienunternehmen ist in Unterföhring (Kreis München) ansässig. München verzeichnete im Jahr 2015 mit einer Summe von 2,45 Milliarden Euro eine neue Rekordeinnahme bei der Gewerbesteuer. Dax-Unternehmen wie BMW spielen dabei eine große Rolle. Die Zahlen sind geheim. Aber im Jahr 2013 soll zum Beispiel eine Gewerbesteuereinnahme von 300 Millionen Euro von BMW ins Stadtsäckel geflossen sein.

Siemens

Siemens-Chef Joe Kaeser.

Die Nummer eins im Freistaat ist Siemens – mit einem Börsenwert von rund 74 Milliarden Euro ist der Elektrokonzern auch bundesweit Schwergewicht. Die Siemens AG ist ein weltweit führendes Unternehmen der Elektronik und Elektrotechnik. Der Konzern bedient mit seinen Produkten Kunden aus der Industrie-, Energie- und Gesundheitsbranche. Weltweit beschäftigt Siemens 348 400 Mitarbeiter, 114 000 davon in Deutschland. Am Wittelsbacherplatz in München entsteht derzeit der neue Firmensitz der Siemens AG, der noch 2016 eröffnet werden soll.

BMW

BMW-Vorstandschef Harald Krüger.

BMW führt die Liste der größten Arbeitgeber an. Rund 41 000 der weltweit rund 116 000 Beschäftigten arbeiten am Hauptsitz. Der Auto-Hersteller ist mit im Vorjahr 2,25 Millionen produzierten Autos der drei Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce der weltgrößte Premiumhersteller. Der Konzern, der am Montag, 7. März, groß seinen 100. Geburtstag feiert, hat aktuell einen Börsenwert von knapp 49 Milliarden Euro.

Infineon

Der Vorstandsvorsitzende des Halbleiterherstellers Infineon, Reinhard Ploss.

Der Chiphersteller Infineon zählt mit einem Börsenwert von rund 13 Milliarden Euro zu den Leichtgewichten im Dax. Das Unternehmen bietet Halbleiter- und Systemlösungen an, unter anderem für die Autoindustrie. Auch in Smartphones stecken Chips des Unternehmens mit Sitz in Neubiberg bei München. Dort arbeiten am „Campeon“ 3500 Beschäftigte. Weltweit hat das Unternehmen, das 1999 durch die Ausgliederung des Halbleitergeschäfts der Siemens AG über einen Börsengang im Jahr 2000 entstand, mittlerweile 35 500 Mitarbeiter.

Linde

Der Vorstandsvorsitzende des Chemieunternehmens Linde, Wolfgang Büchele.

Der Industriegase-Hersteller Linde ist ein relativ junges Münchner Dax-Unternehmen – trotz seiner 137-jährigen Geschichte. Linde ist im Jahr 2008 von Wiesbaden nach München umgezogen. Die Zentrale liegt heute an der Klosterhofstraße. Als größter Standort gilt allerdings Pullach (Kreis München). Rund 3400 Beschäftigte arbeiten hier – weltweit hat Linde gut 65 000 Mitarbeiter. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 24 Milliarden Euro liegt Linde im Dax- Mittelfeld.

Münchener Rück

Der Vorstandsvorsitzende der Munich Re, Nikolaus von Bomhard.

Die Münchener Rück (Munich Re) ist der größte Rückversicherer der Welt. Dabei beteiligt sie sich an Risiken, die „Erstversichere“ übernommen haben – eine Versicherung für Versicherer. Derzeit sind 43 000 Mitarbeiter bei dem 1880 gegründeten Unternehmen beschäftigt. Der Börsenwert der Rückversicherungs-AG beläuft sich auf gut 30 Milliarden Euro.

Allianz

Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte.

Die Allianz SE ist mit rund 78 Millionen Kunden Europas größtes Versicherungsunternehmen. Ob Unfall, Krankheit, Laptop und das Leben: Bei den Münchnern kann man beinahe alles versichern. Weltweit arbeiten bei der Allianz gut 147 000 Menschen. Bei der Allianz Deutschland, der größten Tochter der Gruppe, sind es knapp 30 000. Der Großteil ist am Hauptsitz in München – am Englischen Garten und am Campus in Unterföhring beheimatet. Der Börsenwert des Versicherers beläuft sich auf rund 65 Milliarden Euro.

ProSiebenSat1

Der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media AG, Thomas Ebeling.

Das Medienunternehmen war lange heißer Kandidat für eine Aufnahme in die Liga der 30 umsatzstärksten Konzerne. Nun ist der Aufstieg perfekt – zum 21. März zieht ProSiebenSat1 in den Dax ein, im Gegenzug muss der Salz- und Düngerhersteller K+S seinen Platz räumen. Der Aufstieg ist eng mit dem Chef des Medienunternehmens verbunden. Thomas Ebeling kam, als ProSiebenSat.1 am Boden lag. Seitdem ging es stetig bergauf. Der Aktienkurs stieg von seinem Tief bei 88 Cent am 10. März 2009 – wenige Tage nach Ebelings Amtsantritt – um mehr als 5000 Prozent auf über 46 Euro. Der Konzern, der rund 4800 Mitarbeiter beschäftigt, betreibt die Fernsehsender Sat.1, ProSieben, Kabel Eins, Sixx, Sat.1 Gold und ProSieben Maxx. Unternehmenswert: aktuell 10,18 Milliarden Euro.

Manuela Dollinger, Klaus Vick

Rubriklistenbild: © dpa

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