ProSiebenSat.1-Übernahme: Lösung für Springer AG in Sicht

- Bonn/Berlin - Im Ringen um die Übernahme der Sendergruppe ProSiebenSat.1 zeichnet sich für die Axel Springer AG eine Lösung ab. Das Bundeskartellamt will in den nächsten Tagen über das Fernsehprojekt des Medienhauses ("Bild, "Die Welt") entscheiden, sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Bonn. Springer hatte am Mittwoch angeboten, auf den Sender ProSieben zu verzichten, um so den Einstieg in das TV-Geschäft noch zu retten. Kartellamts-Chef Ulf Böge stellte unterdessen eine Zulassung der Fusion in Aussicht.

Allerdings müsse der Verkauf vor der Genehmigung erfolgen, sagte Böge dem Sender NDR-Info. "Es ist laut Kartellrecht nicht möglich, das nur als eine Auflage zu akzeptieren". Der Zusammenschluss könne erst dann erfolgen, wenn Springer sich von ProSieben getrennt hat. Ein Verkauf von ProSieben würde zu einer veränderten Lage auf dem TVWerbemarkt führen, weil dann ein Dritter in das heute mehr oder weniger wettbewerbslose Duopol von Bertelsmann und Springer stoßen würde. "Das wäre eine so wesentliche Verbesserung auf diesem Markt, dass die verbleibenden Bedenken aufgewogen würden", sagte Böge.

Sollte das Kartellamt bis zum Ablauf der Frist am 20. Januar zustimmen, muss Springer mit der ProSiebenSat.1. Media AG und den Investoren um den Amerikaner Haim Saban neu verhandeln. Dabei müssen hohe Hürden genommen werden. Branchenkreise äußerten sich skeptisch, ob es angesichts komplizierter rechtlicher und finanzieller Fragen zu einer Einigung kommt.

Ein Vorteil für Springer bei der Übernahme der Gruppe mit den Sendern Sat.1, 9Live, Kabel eins und N24 wäre eine deutliche Minderung des Kaufpreises. Außerdem gäbe es keine weiteren Auflagen der Behörden. Das Programm von Sat.1 passe mit seiner größeren Vielfalt besser zu den Springer-Publikationen als das ProSiebenAngebot aus vielen Filmen und Serien.

ProSiebenSat.1 will den von Springer vorgeschlagenen Verkauf des Stammsenders ProSieben prüfen, wenn weitere Informationen vorlägen. Man sei an den Besprechungen mit dem Kartellamt über einen möglichen Verkauf des Senders nicht beteiligt gewesen, betonte das Unternehmen in München. Nähere Details seien nicht bekannt. In Branchenkreisen wird aber davon ausgegangen, dass der derzeitige ProSiebenSat.1Vorstand keinesfalls den Verkauf des Senders beschließen würde.

Die drohende Zerschlagung von ProSiebenSat.1 stößt bei der Sendergruppe auf Unverständnis und Widerstand. "Bitte behalten Sie Ruhe", appellierte ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch in einem Brief an die Mitarbeiter. Es seien bisher noch keine Entscheidungen gefallen. Als Kandidat für eine Kooperation wird der TV-Konzern SBS genannt, der von dem früheren Kirch-Manager Markus Tellenbach geführt wird.

Am Dienstag hatte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) die Übernahme mit dem Hinweis verboten, durch die Übernahme der ProSiebenSat.1-Gruppe würde Springer eine vorherrschende Meinungsmacht erlangen und die Medienvielfalt beeinträchtigen. Springer hatte die Forderung der KEK abgelehnt, für einen der beiden großen Sender - ProSieben oder Sat.1 einen TV-Beirat mit Befugnissen in Personal- und Finanzfragen einzurichten.

Springer hatte sich im Vertrag mit den Investoren um Saban verpflichtet, alles zu unternehmen, um eine Zustimmung der Behörden zu bekommen. Das Angebot Springers, alle Programm- und Familienzeitschriften zu verkaufen, hatte das Kartellamt als unzureichend abgelehnt.

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