Pro-Sieben-Übernahme stößt auf Widerstand

- München - Die Übernahme von Pro-Sieben-Sat.1 durch den Axel Springer Verlag ist noch nicht in trockenen Tüchern. Nachdem bereits das Stuttgarter Medienhaus Holtzbrinck erklärt hatte, es wolle gegen die Fusion vorgehen, meldet nun auch die ARD Bedenken an. Zudem kündigten Bundeskartellamt und die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) an, das Geschäft gründlich zu prüfen.

Ein ARD-Sprecher sagte, die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wollten im September entscheiden, ob sie gegen die Fusion rechtlich vorgehen. "Unserer Meinung nach liegt das Hauptproblem im Bereich der Werbevermarktung", erklärte er. Denn Springer könne im Verbund mit der "Bild" oder "Welt" Werbekunden Paketlösungen für Print-Anzeigen und Fernsehspots anbieten, die andere Wettbewerber nicht offerieren könnten.

Zuvor hatte bereits Holtzbrinck-Geschäftsführer Michael Grabner gesagt, durch das Zusammengehen der beiden Unternehmen entstehe sowohl publizistisch als auch auf den Werbemärkten eine "große Medienmacht". Dem bislang reinen Print-Unternehmen würden - wenn die Fusionspläne aufgehen - neben auflagenstarken Zeitungen und Magazinen die TV-Kanäle "Pro Sieben", "Sat.1", "Kabel Eins" und "N 24" gehören.

Auch Kartellamts-Präsident Ulf Böge hat bereits deutlich gemacht, dass er wegen der marktbeherrschenden Stellung der "Bild", deren tägliche Druckauflage bei rund 4,5 Millionen Stück liegt, Probleme bei der Fusion sieht. Seine Wettbewerbshüter müssen dem Milliarden-Handel aber zustimmen, da Europas größter Verlag und Deutschlands größte private Sendergruppe gemeinsam über 500 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften. Dabei können die Springer-Wettbewerber ihre Vorbehalte der Bonner Behörde vortragen, vorausgesetzt ihre Interessen werden als "erheblich berührt" eingestuft.

Das Prüfverfahren des Bundeskartellamts kann bis zu vier Monate dauern. Allerdings muss Springer die Fusion dazu erst einmal anmelden, was bislang noch nicht geschehen ist. "Wir rechnen im Lauf der Woche damit", sagte eine Sprecherin unserer Zeitung.

In diesem Zeitraum erwartet auch KEK-Geschäftsführer Bernd Malzanini einen Antrag von Springer, wie er auf Nachfrage sagte. Während das Kartellamt die wirtschaftlichen Folgen der Fusion unter die Lupe nimmt, achtet seine Kommission darauf, dass die Meinungsvielfalt nicht leidet. Dies ist laut Rundfunkstaatsvertrag etwa dann der Fall, wenn ein Unternehmen mehr als 25 Prozent des TV-Marktes besetzt und auch in einer anderen Mediensparte eine starke Stellung inne hat. Sollte dies der Fall sein, kann die KEK wie das Kartellamt die Fusion untersagen oder unter Auflagen stellen.

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