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Clemens Fuest mahnt trotz Tumps Vorstößen zur Besonnenheit.

Interview mit Ifo-Chef Fuest

Protektionismus: „Am Ende wird es nur Verlierer geben“

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Je mehr Details über die künftige amerikanische Wirtschaftspolitik bekannt werde, desto größer wird die Unruhe vor allem in deutschen Unternehmen. Wir sprachen darüber mit dem Präsidenten des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest.

Die deutsche Wirtschaft reagierte zunächst zurückhaltend auf protektionistische Pläne aus den USA. Inzwischen mehren sich die besorgten Äußerungen auch aus Unternehmen und Verbänden. Wie bedrohlich ist Trumps absehbare Politik für Deutschland?

Clemens Fuest: Das Problem besteht darin, dass Trumps Politik nicht ohne Weiteres absehbar ist. Wenn Trump einen Handelskrieg vom Zaun bricht, wäre das sehr schlecht für die deutsche Wirtschaft, weil wir stärker als andere vergleichbare Länder von der Einbindung in den internationalen Handel leben.

Teile der USA haben einen dramatischen Rückgang der klassischen Industrien auch durch Abwanderung erlebt. Können erschwerte Einfuhren die Arbeitsplätze zurückbringen?

Fuest: Wenn die USA Importe behindern, werden andere Staaten antworten, indem sie US-Exporte behindern. Am Ende wird es nur Verlierer geben.

Sehen Sie Chancen, dass die USA durch Trumps Politik der Abschottung ihre anhaltend negative Außenhandelsbilanz ausgleichen?

Fuest: Es kann schon sein, dass das Handelsdefizit verschwindet, aber nicht nur Importe, sondern auch US-Exporte werden zurückgehen. Klüger wäre es, wenn Trump mehr in schulische und berufliche Bildung investieren würde, damit Arbeitnehmer, die durch Strukturwandel ihre Jobs verlieren, neue Beschäftigung finden.

US-Technologie-Unternehmen haben sich vor allem gegen von Trump verhängte Einreiseverbote gewandt. Wie bedrohlich sind solche Einschränkungen für die Wirtschaft?

Fuest: Gerade die US-Technologieunternehmen profitieren stark davon, dass Talente aus aller Welt in die USA kommen und dort arbeiten und forschen können. Pauschale Einreiseverbote für bestimmte Nationalitäten zerstören das Vertrauen in das amerikanische Rechtssystem und gefährden nicht nur Unternehmen, sondern auch Universitäten und Forschungseinrichtungen, die auf den internationalen Austausch angewiesen sind. Viele Lieferketten sind heute international organisiert.

Gibt es Möglichkeiten, die internationale Zusammenarbeit auch bei neuen Schutzzöllen aufrechtzuerhalten?

Fuest: Die gibt es schon, aber die Zölle erschweren diese Zusammenarbeit und führen dazu, dass Lieferketten verzerrt werden, weil man versucht, Zöllen auszuweichen. Trump will dadurch mehr Produktion in den USA sehen, aber die Leistungsfähigkeit der Weltwirtschaft leidet dadurch.

Deutschland als Land mit hohen Exportüberschüssen ist durch Handelshemmnisse besonders bedroht. Was raten Sie der deutschen Wirtschaft?

Fuest: Es ist richtig, besonnen auf Trump zu reagieren und in der öffentlichen Debatte kein Öl ins Feuer zu gießen. Wirtschaft und Politik sollten den Dialog mit der neuen US-Administration suchen und darauf hinweisen, dass deutsche Unternehmen viele Arbeitsplätze in den USA geschaffen haben, und dass diese Unternehmen eher weniger als mehr Jobs schaffen werden, wenn der Freihandel bedroht ist. Man sollte darüber sprechen, wie deutsche Unternehmen sich noch mehr in den USA engagieren können. Das Interesse daran ist groß.

Interview: Martin Prem

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