Protest von Bankbeschäftigten

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Frankfurt/Main (dpa) - Fünf Tage nach Bekanntgabe der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank haben hunderte Beschäftigte ihrem Unmut über den angekündigten Stellenabbau Luft gemacht.

Bei einer Kundgebung der Gewerkschaft ver.di in der Frankfurter Innenstadt am Freitag war die geplante Streichung von weltweit 9000 der insgesamt 67 000 Stellen ein zentrales Thema. "Wir werden als ver.di um jeden Arbeitsplatz kämpfen, eine solche Fusion darf nicht 9000 Arbeitsplätze kosten", betonte ver.di-Bereichsleiterin Gudrun Schmidt. Eigentlicher Anlass des Protestes war die laufende Tarifauseinandersetzung bei den privaten und öffentlichen Banken. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 800, ver.di rechnete mit 2000 bis 3000 Teilnehmern.

"Commerzbank im Streik: Gewinne hui, Bezahlung pfui", "Wir wollen unser Stück vom Kuchen" war auf Plakaten zu lesen. Für die Beschäftigten der Dresdner Bank fasste der Betriebsratsvorsitzende der Frankfurter Konzernzentrale, Hans-Georg Binder, zusammen: "Die Motivation ist seit einiger Zeit im Keller." Seit Monaten war über einen Verkauf des angeschlagenen Instituts spekuliert worden, das infolge der Finanzmarktkrise tief in die roten Zahlen gerutscht war. Am vergangenen Sonntag machte der bisherige Eigentümer, der Versicherungskonzern Allianz, Nägel mit Köpfen: Die Dresdner Bank wird in zwei Schritten an die Commerzbank verkauft.

"Das Investmentbanking war der Sargnagel und verantwortlich dafür, dass die Allianz - endlich - die Reißleine gezogen hat", sagte Binder am Freitag. Commerzbank hat bereits angekündigt, dass die besonders gebeutelte Sparte eingedampft wird. Der Dresdner-Bank-Betriebsrat befürchtet, dass dadurch allein in Deutschland 2500 Beschäftigte ihren Job verlieren werden. "Die Größenverhältnisse bestimmter Geschäftsfelder bei der Commerzbank werden als Blaupause genutzt: Die Teile, die bei der Dresdner größer sind - wie etwa das Investmentbanking - werden zurechtgestutzt", sagte Binder. "30 bis 40 Händler und ihr Fehlverhalten sind verantwortlich, dass bundesweit 2500 Beschäftigte mit ihren Arbeitsplätzen im Feuer stehen."

Binder versicherte ebenso wie die Betriebsratschefin der Commerzbank-Zentrale, Gabi Seum, es gebe keinerlei Bestrebungen, die Mitarbeiter beider Häuser gegeneinander auszuspielen. Nach Angaben von Binder wollen die Gesamtbetriebsräte beider Banken einen gemeinsamen Ausschuss bilden, um zu beraten, wie es mit Jobs, Standorten und Aufgabenverteilung weitergehen soll. Seum betonte: "Ich trenne nicht zwischen Commerzbank- und Dresdner-Bank- Mitarbeitern: Die Kollegen von der Dresdner gehören ab 2009 zu uns, wir sind dann ein Betrieb." Unter den Mitarbeitern der Commerzbank sei die Stimmung derzeit "recht gelassen", sagte Seum: "Ein wichtiger Grundstein ist gelegt: Der Vorstand schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2011 aus, das ist eine gute Verhandlungsbasis."

In dem seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt für die privaten Banken sowie die Landes- und Förderbanken verlangt ver.di für insgesamt gut 250 000 Beschäftigte acht Prozent mehr Geld, mindestens aber 260 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber hatten in der dritten Verhandlungsrunde im Juli erstmals ein Angebot vorgelegt: Danach sollen die Tarifgehälter bis Ende 2010 in drei Stufen um insgesamt sechs Prozent steigen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 16. September in Köln geplant. Der geltende Tarifvertrag war am 30. Juni ausgelaufen. Seither gab es mehrfach kurzzeitige Streiks.

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