Protest gegen Schließung von Telekom-Callcenter in Bayern

München - Mehrere hundert Beschäftigte haben am Freitag gegen die geplante Schließung von sechs Callcentern der Telekom in Bayern protestiert. Bei knapp einstündigen Kundgebungen vor Telekom-Gebäuden forderten sie die Geschäftsführung der Deutschen Telekom Kundenservice GmbH (DTKS) zu einer sofortigen Rücknahme der Verlagerungspläne auf.

In Bayern müssen gut 800 Mitarbeiter der Telekom wegen der geplanten Zusammenlegung von Standorten in den kommenden Jahren umziehen. Geschlossen werden sollen die Standorte Passau (50 Mitarbeiter), Ansbach (100), Bad Kissingen (105), Würzburg (105), München (400) und Weilheim (60).

Besonders verbittert zeigten sich nach Ver.di-Angaben Callcenter- Beschäftigte in München, dem nach Nürnberg zweitgrößten Telefonberatungs-Standort der Telekom in Bayern. Es gebe keinen fachlichen Grund, gerade München aufzulösen, betonte der zuständige Ver.di-Sekretär Ernst Edhofer. "Das ist Programm, die wollen uns vergraulen", vermutet er. Für alle sei die Nachricht von der Auflösung aus heiterem Himmel gekommen. Die angebotenen Ersatzarbeitsplätze in Augsburg, Kempten und Traunstein seien besonders für die 63 Schwerstbehinderten in München keine Alternative.

Auch bei den Callcenter-Mitarbeiterin in Würzburg und Bad Kissingen sei die "Stimmung ganz unten", berichtete der für beide Callcenter zuständige Betriebsrat Siegfried Hänsel. Auf einem Parkplatz neben dem Würzburger Telekom-Gebäude hätten sich rund 50 der insgesamt 107 Würzburger Beschäftigte zu einer Protestkundgebung versammelt. Insbesondere für Frauen in Teilzeit bedeute die Verlagerung der Stellen an entfernt gelegene Telekom-Standorte das Aus. Um ihre Existenz fürchten nach ver.di-Angaben auch neun Schwerstbehinderte am Standort Ansbach. Als Rollstuhlfahrer könnten sie nicht einfach täglich nach Nürnberg pendeln, wo ihre Arbeitsplätze hin verlagert werden sollen.

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