56 Prozent der Bosse erwarten langen Aufschwung

Umfrage: - Berlin - Die deutsche Wirtschaft blickt wieder optimistisch in die Zukunft. Das ergab eine aktuelle Umfrage unter knapp 650 deutschen Führungskräften aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Mit dem wachsenden Konjunktur-Optimismus steigt auch das Vertrauen in Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gleichzeitig befürchten mehr als drei Viertel der Führungskräfte eine wachsende Unterschicht und damit eine Rückkehr zur Klassengesellschaft.

56 Prozent der deutschen Führungsschicht rechnen mit einem "kräftigen, dauerhaften Aufschwung", ergab die Erhebung des Allensbacher Instituts für Demoskopie im Auftrag der Zeitschrift "Capital". Noch vor einem halben Jahr teilten mit 29 Prozent nicht einmal ein Drittel der Befragten diesen Optimismus. Meinungsforscherin Renate Köcher sprach von einer einmaligen "Trendwende". Von der optimistischen Wirtschaftserwartung profitiert auch die Kanzlerin: Sechs von zehn Führungsspitzen halten Merkel für "stark".

Die Große Koalition verzeichnete im Vergleich zum letzten Jahr einen Ansehensverlust. Zwei Drittel der Befragten sind von der Bundesregierung enttäuscht. 63 Prozent der Manager und Politiker beurteilten die Große Koalition als in wesentlichen Fragen uneins. Fast genauso viele bezweifeln, dass SPD und Union noch wichtige Reformen durchführen werden.

Vor dem Hintergrund der Armutsdebatte befürchten 78 Prozent der deutschen Führungselite, dass sich eine Unterschicht herausbildet, die sich sozial und wirtschaftlich vom Rest der Gesellschaft abkoppelt. Aber nur 35 Prozent der Befragten machen die Politik für die Verschärfung der sozialen Gegensätze verantwortlich. Entsprechend wird auch sozialstaatlichen Reformen wenig Bedeutung beigemessen. Die Mehrheit der Führungsspitzen hält das Niveau der staatlichen Sozialleistungen für angemessen und sieht keine Ungleichbehandlung innerhalb der Gesellschaft. 77 Prozent der Befragten gaben an, die deutsche Gesellschaft sei sozial durchlässig und biete ausreichend Aufstiegschancen. Verglichen mit dem Meinungsbild der Gesamtgesellschaft zeigt sich hier eine deutliche Diskrepanz. Laut repräsentativen Umfragen sähe ein Großteil der Gesamtbevölkerung sehr wohl ein soziales Ungleichgewicht in der deutschen Gesellschaft, so Köcher.

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