Bis zu 70 Prozent Nachlass: Rabattschlacht statt Steueraufschlag

- Ab heute nimmt der Fiskus drei Prozentpunkte mehr Steuern auf viele Waren des täglichen Gebrauchs. Doch der Handel ziert sich noch, die Mehrwertsteuererhöhung auf 19 Prozent an die Verbraucher weiterzugeben. Im Gegenteil, viele Handelshäuser werben offensiv damit, dass sie ihren Kunden die Mehrwertsteuer geradezu "schenken".

Die Verbraucher müssen aber mit steigenden Preisen rechnen, auch wenn es keinen "Preisschock" zu Jahresbeginn geben soll. "2007 erleben wir die Kehrseite der Medaille", sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) dem "Tagesspiegel". "Spätestens ab Februar werden Preiserhöhungen unumgänglich sein." Der HDE geht davon aus, dass ein Drittel der Mehrwertsteuererhöhung über Preisaufschläge an die Kunden weitergegeben wird. Je ein weiteres Drittel würden die Lieferanten beziehungsweise der Handel tragen.

"Ohne 19 Prozent Mehrwertsteuer" wirbt MediaMarkt, ähnlich der Bekleidungskette C & A ("Mehrwertsteuer erhöht ­ Preise nicht!") oder Schlecker ("mit Coupon 19 Prozent billiger").

Aber auch Lebensmitteldiscounter ("Mehrwertsteuer: Lidl bleibt billig", "Wer den Penny ehrt, ist uns die Mehrwertsteuer wert!") sind auf den Werbezug aufgesprungen, obwohl der größte Teil ihres Sortiments gar nicht von der Mehrwertsteuererhöhung betroffen ist. Denn Grundnahrungsmittel waren im vergangenen Jahr und bleiben auch heuer nur mit dem ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent belastet. "Die können gut tönen", sagte Wolfgang Fischer, von City Partner, der Vereinigung von Unternehmen der Münchner Innenstadt. Auch wenn sie einen guten Teil ihres Geldes mit Nicht-Lebensmitteln verdienten. Das Marketing mit der Mehrwertsteuer werde sich schnell normalisieren.

Die Mehrwertsteuererhöhung wird die privaten Haushalte je nach ihren Einkäufen und ihrem Verbrauch ganz unterschiedlich belasten. Haushalte, die ihr Geld verstärkt für Güter des Grundbedarfs ausgeben wie Lebensmittel, Zeitschriften und Miete sind nach einer Analyse des Statistischen Bundesamtes von der Erhöhung nicht so stark betroffen. Stärker belastet werden dagegen Haushalte, die viel Geld für teure und langlebige Güter wie Fernseher, Geschirrspüler oder Autos ausgeben. Kräftig draufzahlen müssen auch Verbraucher, die häufig ins Restaurant gehen, Zigaretten rauchen und Alkohol trinken.

Laut Statistiker betrifft die Steuereranhebung etwas mehr als die Hälfte aller privaten Konsumausgaben (53 Prozent). Für 16 Prozent der Konsumausgaben ­ vor allem Lebensmittel ­ gilt dagegen der ermäßigte Steuersatz. Knapp ein Drittel (31 Prozent) der Ausgaben eines Haushaltes entfällt auf steuerbefreite Waren und Dienstleistungen. Dazu zählen vor allem Mieten, aber auch Pflegedienste, Fernseh- und Kindergartengebühren. Insgesamt haben die Statistiker berechnet, dass die Mehrwertsteueranhebung die Inflationsrate in Deutschland um maximal 1,4 Prozent erhöhen wird.

Mit 19 Prozent wird Deutschland laut Statistik im europäischen Vergleich immer noch im Mittelfeld liegen.

Inwieweit und wie schnell Händler und Wirte die höhere Mehrwertsteuer an ihre Kunden und Gäste weitergeben, bestimmt auch der Wettbewerb. Und der tobt gerade im Einzelhandel recht heftig, wie man an der derzeitigen Rabattschlacht sieht. Viele Angebote gibt es laut Fischer gerade jetzt zum Saisonende. Bis zu 70 Prozent Rabatt prangt es in den Schaufenstern.

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