30 Prozent plus in zwei Monaten: Hält der Dax diesmal durch?

- München - Wer vor zwei Monaten deutsche Standardaktien kaufte, hat heute über 30 Prozent Gewinn. Der Deutsche Aktienindex Dax startete seit seinem Tief am 12. März zum Steigflug durch. Doch die Hoffung vieler Anleger auf eine anhaltende Kurserholung könnte enttäuscht werden. In den vergangenen Jahren bäumte sich der Dax mehrmals gegen seinen Abwärtstrend auf und stets fiel er anschließend noch tiefer als zuvor. Erste Schwächezeichen ließ der deutsche Vorzeige-Index schon erkennen.

<P>2200 Punkten nahm der Dax im März Anlauf. Kaum waren bei einem Stand von 3066 die 3000 Zähler geknackt, ging es abwärts. Gestern fiel der Index zeitweise unter 2900 Punkte. Der Verlauf deutet Parallelen an zu früheren Dax-Klettertouren nach dem Ende des Börsen-Booms, die in einen steilen Abstieg mündeten. Im Frühjahr 2001 bäumten sich die Standardwerte auf und überwanden die 6000-Punkte-Marke. Im Herbst war die wieder außer Sichtweite. </P><P>Auch nach den Terroranschlägen vom 11. September schienen die Kurse mit einem Aufschlag von rund 30 Prozent zur Erholung bereit. Doch es kam erneut ein Rutsch auf niedrigere Werte als zuvor. Und im vergangenen Herbst hoffte mancher angesichts steigender Kurse auf das Ende der dreijährigen Abwärtsbewegung, als der Irak-Krieg neue Tiefstände brachte. Seitdem begann ein neuer Aufstiegsversuch - doch der geriet in der vergangenen Woche ins Stocken.</P><P>Der Dax verlor seitdem fast sechs Prozent und mancher Anleger erinnert sich an eine alte Börsenweisheit: "Sell in May and go away" _ Verkaufe im Mai und halte Dich von der Börse fern. "Wir erwarten keine scharfe Wende nach unten", beschwichtigt Eberhard Weinberger von der Jens Ehrhardt Kapital AG. Die Münchner Vermögensverwaltung machte sich einen Namen mit Voraussagen von Kursstürzen. "Positiv ist, dass der Verkaufsdruck nicht mehr so groß ist. Allerdings fehlt auch ein nachhaltiges Käufer-Interesse", erklärt Weinberger. Im internationalen Vergleich seien die deutschen Aktien günstig bewertet. </P><P>Die Preise amerikanischer Aktien lägen dagegen immer noch zu hoch. Dies könnte auch den Dax unter Druck setzen. "Die Frage ist: Was macht Europa, wenn die Kurse in den USA unter Druck geraten?" Bislang zogen dann Dax und Co. meist mit in den Keller. "Wir befinden uns in einer Korrektur-Phase", urteilt auch Harald Fischer vom Münchner Bankhaus Löbbecke. "Der Aufwärtstrend wird nicht fortgesetzt." Er sieht ein "Rückschlags-Potenzial auf 2500 bis 2600 Punkte". Die zwischenzeitliche Aufwärtsbewegung sei nicht untermauert durch größere Umsätze. Zudem brächten das Risiko einer Mehrwertsteuer-Erhöhung und schwache Konjunkturdaten Kursrutsch-Gefahr.</P><P>Dieses Argument lässt Felix Schleicher von der Fiduka Depotverwaltung in München nicht gelten. "Konjunktur und Börse laufen nie synchron", sagt er. "Die Baisse hat im März geendet. Jetzt vorzeitig Gewinne mitzunehmen, halte ich für falsch." Kursaufschläge seien noch gerechtfertigt. Zudem seien die Anlage-Alternativen aufgrund niedriger Zinsen schlecht.<BR></P>

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