Die Prozente im Auge: Tagesgeld nicht immer ein Schnäppchen

- Zinsjäger finden bei vielen Banken derzeit attraktive Sparangebote mit bis zu vier Prozent Zinsen. Damit liegen sie deutlich über dem durchschnittlichen Zinssatz von rund zwei Prozent, doch der Wert solcher Schnäppchen ist zweifelhaft: "Die Angebote sind nur auf den ersten Blick reizvoll, denn sie haben fast immer einen Haken", sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW.

<P>So lockt ein großer Discountbroker derzeit mit vier Prozent Zinsen für ein Tagesgeldkonto. Allerdings gilt das Angebot nur für Neukunden und auch nur dann, wenn gleichzeitig ein Depot eröffnet und Wertpapiere für mindestens 4000 Euro gekauft oder übertragen werden. "Nur solange der Vorrat reicht" heißt es bei einer großen Direktbank, die für ihr Angebot von 3,8 Prozent Zinsen wirbt. Die gibt es aber nur für die ersten sechs Monate und die ersten 20 000 Neukunden. Sogar sechs Prozent bietet ein weiteres Institut. Diesen Zinsgenuss gibt es aber nur für drei Monate und auch nur dann, wenn 50 Prozent des Mindest-Anlagekapitals in einen der vier angebotenen Fonds investiert werden.<BR><BR>Zahlreiche solcher Angebote sind derzeit am Markt. Meist muss man Neukunde sein, zusätzlich Fonds oder andere Wertpapiere erwerben und mit einer mehr oder weniger hohen Mindestanlagesumme einsteigen. "Lockzinsen sind nicht automatisch unseriös, aber wer nur Tagesgeld anlegen will und keine Aktien oder Anleihen braucht, sollte von solchen Produkten die Finger lassen", sagt Michael Wittig vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest.<BR><BR>Wittig empfiehlt, die Top-Angebote genau unter die Lupe zu nehmen. Das gelte beispielsweise für Anlagegrenzen und Kontogebühren. "Gerade bei kleinen Anlagebeträgen können die Gebühren den Gewinn schnell zunichte machen", betont Wittig. Wichtig sei auch, ob die Zinsen nach Höhe der Einlage gestaffelt seien. "Bei manchen Anbietern gilt eine absteigende Zinstreppe, sodass die Verzinsung mit zunehmender Anlagesumme sinkt", betont Wittig.<BR><BR>Wie zwiespältig "Sonderangebote" sein können, belegt ein Beispiel der Verbraucherzentrale Hamburg. Anlässlich seines 175-jährigen Bestehens offerierte ein Kreditinstitut im vergangenen Jahr 7,5 Prozent Zinsen für sechs Monate, wenn Kunden für die Hälfte des Anlagebetrages von mindestens 5000 Euro einen Immobilienfonds kauften. Für den Zinsvorteil von 77,50 Euro errechnete die Verbraucherzentrale Kosten von 175,33 Euro. Dennoch sei dieses Angebot ein Erfolg gewesen, und Anleger hätten rund 400 Millionen Euro investiert.<BR><BR>Zahlreiche Kunden merken offenbar erst nach Kontoeröffnung, worauf sie sich eingelassen haben. "Wir erhalten immer wieder Beschwerden von Anlegern, die sich getäuscht fühlen, wenn beispielsweise von fünf Prozent Zinsen nach Abzug aller Kosten nur zwei Prozent bleiben", sagt Thomas Bieler. Dennoch seien Tagesgeld-Angebote weiterhin eine Empfehlung, so lange es sich nicht um Kombi-Angebote handle. "Tagesgeld ist grundsätzlich eine gute Alternative für alle, die ihr Geld kurzfristig parken und verfügbar halten wollen", sagt Bieler.<BR><BR>Bei Tagesgeld liegt der aktuelle Zinssatz je nach Anbieter bei einer Anlagesumme von 10 000 Euro zwischen 2,2 und 3,0 Prozent. Nach Angaben der Bundesbank lag der durchschnittliche Zinssatz für Anlagen bis zu drei Monaten im Februar bei 2,12 Prozent.<BR></P>

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