+
Zentrale des Vergleichsportals Check24 in München. 

Entscheidung könnte heute fallen

Prozess gegen Check24: Herrscht ab heute Klarheit?

München - Viele Verbraucher suchen den billigsten Anbieter von Versicherungen, Strom oder Reisen über Vergleichsportale im Internet. Nicht jedem ist klar, dass diese Provisionen für Vertragsabschlüsse kassieren. Ein Prozess in München könnte für mehr Klarheit sorgen.

Das Vergleichsportal Check24 muss Verbraucher möglicherweise bald deutlicher als bisher auf seine Funktion als Versicherungsmakler hinweisen. Heute wird vor dem Landgericht München ein Prozess gegen Check24 fortgesetzt, in dem es um die Frage geht, wie die Verbraucher des Portals informiert werden. Möglicherweise wird dann auch bereits eine Entscheidung verkündet.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hatte Check24 verklagt, weil er dem Portal eine Irreführung der Verbraucher vorwirft. Check24 stelle sich zwar als verbraucherfreundliches Preisvergleichsportal dar, arbeite in Wahrheit aber wie ein Makler, der Provisionen von den Anbietern kassiert.

Dies müsse auch auf den ersten Blick für die Verbraucher erkennbar sein. "Wir wollen einheitliche Spielregeln für alle Marktteilnehmer", sagte Verbandspräsident Michael Heinz. Check24 warf dem Verband aber vor wenigen Tagen vor, Dinge zu fordern, die er selbst nicht einhalte.

Zum Prozessauftakt im Februar hatte die Vorsitzende Richterin angedeutet, dass sie Handlungsbedarf bei Check24 sieht. Der Besucher der Seite müsse verstehen, dass Check24 ein Makler ist und nicht nur ein Dienstleister, der Preise vergleicht, sagte die Vorsitzende Richterin der 11. Kammer für Handelssachen, Barbara Clementi. Dies könne zum Beispiel durch ein Popup-Fenster erfolgen, das aufblinkt, sobald der Nutzer sich die Versicherungen ansieht.

Gegen Check24 werden schwere Geschütze aufgefahren

Bislang erfolge der Hinweis auf die Maklertätigkeit nur in einer Fußzeile, die von vielen Verbrauchern wohl nicht gelesen werde, sagte die Richterin. "Es geht nicht darum, ob man es findet, wenn man es sucht." Check24 kündigte Kooperation an. "Wenn sich Anpassungsbedarf ergibt, werden wir dem nachkommen", sagte Christoph Röttele, Mitglied der Geschäftsführung. 

Zudem warfen die Versicherungsvertreter Check24 vor, den Kunden keine individuelle Beratung anzubieten. In diesem Punkt sah das Gericht aber zunächst keinen Anhaltspunkt für einen Gesetzesverstoß. Es könne zwar sein, dass die Intensität der Beratung bei einem Online-Anbieter nicht so hoch sei wie bei einem persönlichen Gespräch, sagte die Richterin. Wenn Check24 aber über eine Eingabemaske persönliche Informationen von dem Kunden abfrage, stelle auch dies eine individuelle Beratung dar. Check24 wertete diese Einschätzung als Erfolg: "Wir sehen uns darin bestätigt, dass wir den Beratungspflichten nachkommen", sagte Röttele.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gute Jobchancen für 80 Prozent der Air-Berlin-Beschäftigten
Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin gibt es nach Angaben des Unternehmens gute Jobperspektiven für einen Großteil der Beschäftigten.
Gute Jobchancen für 80 Prozent der Air-Berlin-Beschäftigten
Wirtschaft: Neue Regierung rasch bilden und mehr investieren
Wenn Unternehmen und Märkte eines nicht mögen, dann längere Unsicherheit und politische Risiken. Nach der Bundestagswahl ruft die Wirtschaft zu einer raschen …
Wirtschaft: Neue Regierung rasch bilden und mehr investieren
Börse schüttelt Bundestagswahl rasch ab
Frankfurt/Main (dpa) - Entspannt hat der deutsche Aktienmarkt auf die hohen Verluste der großen Koalition und den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl reagiert.
Börse schüttelt Bundestagswahl rasch ab
EU-Defizitverfahren gegen Griechenland offiziell beendet
Lange war Griechenland der größte Wackelkandidat, wenn es um die Zukunft der Eurozone ging. Aber auch in der gesamten EU gab es Sorgen um Athens Haushaltslage. Eine …
EU-Defizitverfahren gegen Griechenland offiziell beendet

Kommentare