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Leo Kirch will drei Milliarden Euro Schadenersatz für die Pleite seiner Firmengruppe.

Kirch contra Breuer: Dauerfehde zweier kantiger Persönlichkeiten

München - Nach jahrelangem Tauziehen ist es im Dauerstreit zwischen dem Medienunternehmer Leo Kirch und der Deutschen Bank vor dem Münchner Landgericht München an diesem Dienstag ums Eingemachte gegangen.

Doch der Zivilprozess um Schadenersatz in Milliardenhöhe wegen des Zusammenbruchs der Kirch- Gruppe ist ein Showdown zweier kantiger Persönlichkeiten: des 82- jährigen Leo Kirch und des ehemaligen Vorstandschefs des größten deutschen Geldhauses, Rolf Breuer. Beide liefern sich seit Jahren eine Dauerfehde, weil Kirch Breuer für den Zusammenbruch seines Medienimperiums im Jahr 2002 mitverantwortlich macht. In einem Interview hatte Breuer damals die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage gestellt. Wenige Monate später musste Kirch Insolvenz anmelden - eine der spektakulärsten Pleiten der deutschen Wirtschaft nahm ihren Lauf.

Der 71 Jahre alte Breuer steht für den Aufstieg der Deutschen Bank unter die großen Geldhäuser der Welt. Nach einer Lehre bei der Deutschen Bank studierte er Jura und promovierte. 1966 kehrte er zurück, wurde Leiter der Börsenabteilung (1974) und später Vorstandsmitglied (1985). Als er 1997 Vorstandssprecher wurde, übernahm er ein auf Deutschland bezogenes Institut mit Schwerpunkten im Kreditgeschäft und bei Privatkunden. Gegen viele Widerstände baute er das Investmentbanking aus. Weggefährten beschreiben den Manager mit einem Faible für Musik und Kunst als professionell und zielstrebig, wobei er mitunter auch "ein bisschen beratungsresistent" sei. Nicht ganz freiwillig gab Breuer 2006 auch den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank auf. Grund war eben jene Auseinandersetzung mit Kirch.

Ums Geld dürfte es dem zuckerkranken Kirch kaum noch gehen, für ihn geht es auch um sein Lebenswerk. Standfestigkeit billigen ihm fast alle zu, die ihn näher kennen. Der studierte Betriebswirt und Mathematiker baute sein Imperium aus eigener Kraft auf. Mit 29 sicherte er sich mit geliehenem Geld in Italien die Rechte an dem Filmklassiker "La Strada". Mit viel Mut zum Risiko und unternehmerischem Gespür für die weitere Entwicklung des Fernsehens in Deutschland baute er in den folgenden Jahrzehnten ein Geflecht von Beteiligungen rund um Fußball, Film, Fernsehen und die Formel 1 auf.

Bei der Expansion ging ihm wiederholt das Geld aus. Doch mit Hilfe seiner guten Kontakte zu Banken und politischen Schaltstellen beschaffte er sich immer wieder milliardenschwere Kapitalspritzen. Besonders auf seine guten Beziehungen in Bayern konnte er sich jahrzehntelang verlassen. Am Ende aber hatte Kirch vor allem zu viel Geld in den Bezahlsender Premiere gepumpt und musste Insolvenzantrag stellen. "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen", sagte der fränkische Winzersohn und gläubige Katholik lakonisch nach der Pleite.

Doch bei Fatalismus allein beließ es Kirch nicht. Ganz irdisch machte er vor allem Breuer und dessen Statement für seine Pleite verantwortlich und startete einen juristischen Feldzug gegen ihn. "Ich hätte nie gedacht, dass eine zutreffende Bemerkung, die ja nur wiedergab, was längst in der Öffentlichkeit bekannt war, so einen juristischen Rachefeldzug auslöst", sagte Breuer fast verwundert über Kirchs Kampf gegen ihn. "Lästig ist das schon. Aber ich wache nachts nicht auf und denke: 'Herr Kirch, Herr Kirch.'"

Michael Friedrich, dpa

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