Prüfer warnen: Jedes zweite Auto mit Mängeln unterwegs

- Leipzig - Mehr als die Hälfte aller Autos auf Deutschlands Straßen ist mit Mängeln unterwegs. "Es ist erschreckend, was sich auf den Straßen so tummelt", sagte Rainer de Biasi, Geschäftsführer der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ), auf der Leipziger Messe Auto Mobil International. Die Prüforganisation Dekra bemängelt zudem, dass die Autos immer schwerer würden und so der Spritspareffekt effizienterer Motoren eingebüßt werde.

Nur 45 Prozent der zur Hauptuntersuchung vorgestellten Fahrzeuge seien ohne Beanstandungen geblieben. 8,6 Millionen der insgesamt rund 47 Millionen zugelassenen Pkw seien sogar mit gravierenden Mängeln aufgefallen.

Ganz ohne Mängel waren bei den GTÜ-Hauptuntersuchungen nur 45,5 Prozent der Fahrzeuge geblieben. 36,1 Prozent wiesen geringe Mängel auf, während bei 18,4 Prozent erhebliche Mängel oder gar die Verkehrsunsicherheit festgestellt wurde. Insbesondere ältere Pkw fielen den Testern unangenehm auf: Fanden sie an 100 Fahrzeugen der Altersklasse bis drei Jahre nur 27 Mängel, waren es in der Altersklasse über neun Jahre bereits 227 Mängel. Autos, die älter als neun Jahre sind, sollten deshalb jährlich zur Untersuchung, forderte der GTÜ-Geschäftsführer.

Die GTÜ-Erfahrungen decken sich weitgehend mit denen der Sachverständigenorganisation Dekra. Bei der Auswertung von rund 6000 Unfalldaten wurde das Alter der beteiligten Fahrzeuge betrachtet. Dabei stellten die Dekra-Spezialisten fest, dass bei einem neun bis elf Jahre alten Fahrzeug das Unfallrisiko gegenüber einem dreijährigen Auto rund drei Mal so hoch ist. Bei einem mehr als elf Jahre alten Fahrzeug steigt das Risiko auf das Vierfache gegenüber einem dreijährigen Pkw.

In den Hauptuntersuchungen wurden laut Dekra im vergangenen Jahr bei nur 16,4 Prozent der drei Jahre alten Autos Mängel festgestellt. Bei den über neun Jahre alten Fahrzeugen wiesen 66,9 Prozent, also rund vier Mal so viele, Mängel auf. Am häufigsten beanstandet wurden dabei sicherheitsrelevante Mängel an Bremsen, Radaufhängung und Beleuchtung.

Zudem kommt die Dekra in einer Studie zu dem Ergebnis, dass immer schwerere Autos in Deutschland die Umwelt belasten. Zwar sei der Schadstoffausstoß von Autos in den vergangenen 20 Jahren um bis zu 99 Prozent reduziert worden, sagte der Dekra-Vorsitzende Clemens Klinke. Allerdings sei in derselben Zeit auch das Gewicht der Fahrzeuge wegen verbesserter Sicherheit und höheren Komforts massiv gestiegen. Das kompensiere die Einsparungen beim Schadstoffausstoß größtenteils wieder.

Auch die CO2-Emissionen liegen wegen des Mehrgewichts bis zu 28 Prozent höher als bei einem Modell ohne die schweren Sicherheits- und Komfortkomponenten, sagte Klinke. Getestet wurden im Generationenvergleich der VW Golf I Baujahr 1983 mit dem heutigen Golf V, eine aktuelle Mercedes C-Klasse mit einem 190-D-Modell aus dem Jahr 1985 und ein neuer Peugeot 207 mit dem 205-Modell von 1992. Die Reduktion der Schadstoffe lag dabei zwischen 60 und 99 Prozent. "Alle umweltschädlichen Komponenten in den Abgasen sind trotz stark gestiegener Motorleistung deutlich gesunken." Das Gewicht stieg um 31 bis 69 Prozent.

Der Spagat zwischen Sicherheit und Verbrauch müsse bewältigt werden. So könne natürlich nicht auf Airbags, ABS, ESP oder Ähnliches wieder verzichtet werden. Schließlich sei dank dieser Technologien die Zahl der Verkehrstoten von 1991 bis 2006 um mehr als die Hälfte gesunken.

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