VW prüft Börsengang oder Verkauf von Töchtern

- Wolfsburg - Europas größter Autobauer Volkswagen prüft im Zuge seiner Neuorientierung auch einen Ausbau, Börsengang oder Verkauf seiner Töchter gedas und Europcar. Der VW-Aufsichtsrat ermächtigte den Vorstand am Freitag, für den IT-Dienstleister gedas sowie den Autovermieter Europcar "alle Optionen von einem strategischen Ausbau bis zu einem Börsengang oder Verkauf zu prüfen". Das teilte die Volkswagen AG in Wolfsburg mit. Die Optionen stünden im Zusammenhang mit dem Vorhaben des Konzernvorstands, alle Unternehmensaktivitäten einer Überprüfung zu unterziehen.

Der VW-Konzern, dessen Kosten als zu hoch gelten, fährt derzeit einen harten Sparkurs und stellt dabei alle Bereiche auf den Prüfstand. Der IT-Dienstleister gedas AG mit Sitz in Berlin sowie die Autovermietungsfirma Europcar International SA (Paris) sind 100prozentige VW-Tochterunternehmen.

Ob und welche der Optionen unter Umständen umgesetzt werde, sei derzeit noch völlig offen, sagte ein VW-Sprecher. "Wir sind mitten im Prüfungsprozess." Wann dieser abgeschlossen werde, sei ebenfalls noch unklar. Das Unternehmen habe vorsorglich die Märkte über die Optionen informieren wollen.

An der Börse rutschte die VW-Aktie am Freitag nach einem Kurssprung am Vortag mit einem Minus von mehr als zwei Prozent am Vormittag ans Ende des Aktienindex DAX. Händler sagten, im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung habe es Hoffnungen auf interessantere Nachrichten gegeben - besonders nach den Marktgerüchten über einen angeblichen Einstieg des US-Milliardärs Kirk Kerkorian. Der Markt habe darauf gehofft, dass VW etwas zu den Kerkorian-Spekulationen oder Neues zu den Restrukturierungsplänen mitteile. Außerdem habe es Gewinnmitnahmen gegeben.

Wie VW weiter mitteilte, ergibt sich mit den Optionen für gedas und Europcar keine Auswirkung auf den bisherigen Ausblick des Konzernvorstands zur Ergebnisentwicklung 2005. Der Vorstand gehe weiterhin davon aus, dass sich sowohl das operative Ergebnis nach Sondereinflüssen des Jahres 2005 sowie das Ergebnis vor Steuern gegenüber dem Vorjahr verbessern würden.

Die VW-Aufsichtsräte erhielten am Freitag zudem einen Zwischenbericht von Wirtschaftsprüfern zur Korruptionsaffäre, die den Konzern seit Monaten erschüttert. Über den Bericht wurde zunächst nichts bekannt.

In der Affäre geht es um Betrugs- und Untreuevorwürfe gegen ExSpitzenmanager sowie um "Lustreisen" von Betriebsräten. Nach Bekanntwerden der Affäre vor fast drei Monaten hatte die VW-Führung die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit der Überprüfung der Vorwürfe beauftragt.

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