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Wer Fehler in der Berechnung seiner Ruhestandsbezüge entdeckt, kann vier Jahre rückwirkend Ansprüche geltend machen.

So prüft man den Rentenbescheid

München - Es sieht so aus, als würden die deutschen Rentenversicherungsträger es bei der Beratung von Rentnern nicht so genau nehmen. Wir klären die wichtigsten Fragen. 

Ob es nun „massenhaft viele“ Rentenbescheide sind, die vom Bundesversicherungsamt bei einer Prüfaktion beanstandet wurden, oder nur „viele“. Fakt ist: Es sieht so aus, als würden die deutschen Rentenversicherungsträger es bei der Beratung von Rentnern nicht so genau nehmen. Wir klären die wichtigsten Fragen.  Die Computerprogramme der Rentenversicherer sind schon in Ordnung. Aber bei der Rentenberatung hapert es bisweilen. Außerdem: Fehlerhaft übertragene Daten kann auch der beste Computer nur selten erkennen. Schlichtes menschliches Versagen kann so zu einer deutlich geringeren Rente führen.

Wie häufig sind Fehler in den Rentenbescheiden, die an die Versicherten herausgehen?

Das wird statistisch nicht erfasst. In den vom Bundesversicherungsamt geprüften 8000 Fällen ging es hauptsächlich darum, dass Versicherte eine – gegebenenfalls vorzeitige – Altersrente beantragt hatten, sie aber nicht darauf aufmerksam gemacht worden waren, dass statt der von ihnen beantragten eine andere der (vier) „Vorzeitigen“ günstiger für sie gewesen wäre. So konnten zum Beispiel Frauen, die spätestens im November 1944 geboren wurden, die vorzeitige Frauen-Altersrente noch beanspruchen, ohne den Höchst-Abschlagssatz von 18 Prozent hinnehmen zu müssen.

Wie kann ich in meinem Rentenbescheid prüfen, ob die Rente korrekt berechnet wurde?

Vergleichen Sie Ihre Rentenunterlagen Monat für Monat, Jahr für Jahr mit der Auflistung der Versicherungszeiten in Ihrem Rentenbescheid. Sind die Daten richtig übertragen worden? Stimmen die eingetragenen Arbeitsverdienste beziehungsweise die freiwillig gezahlten Beiträge überein? Sind Lücken im „Versicherungsverlauf“, für die es keine Erklärung gibt? Wurden Zeiten der Kindererziehung oder der Arbeitslosigkeit notiert?

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Unstimmigkeiten oder gar Fehler festgestellt oder etwas nicht verstanden habe?

Zunächst unmittelbar an Ihren Rentenversicherungsträger. Und das möglichst nicht telefonisch, sondern per Post (Einschreiben, Rückschein). Stellt Sie die Antwort nicht zufrieden, so haben Sie mehrere Möglichkeiten, sich persönlich an anderer Stelle beraten zu lassen:

- bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle in größeren Städten beim örtlichen Versicherungsamt (eingerichtet bei der Kommune).

- bei einem zugelassenen Rentenberater (siehe „Gelbe Seiten“ unter „R“ oder www.rentenberater.de). Dieser berechnet allerdings Gebühren.

- bei Sozialverbänden (zum Beispiel SVD, VdK), die ihre Mitglieder unterstützen.

Für welche Zeit kann gegebenenfalls rückwirkend eine Nachzahlung verlangt werden?

Solche Nachzahlungen werden längstens für vier Jahre rückwirkend und für das laufende Kalenderjahr gezahlt. Wichtig ist der Zeitpunkt des Eingangs des Antrags bei der Rentenversicherung. Bis Ende 2009 könnten also gegebenenfalls noch Nachzahlungen aus 2005 gefordert werden.

Wie gehe ich vor, wenn es Fehler gegeben hat?

Schreiben Sie Ihrer Rentenversicherung und bitten Sie um Stellungnahme. Gibt es keinen Konsens, so können Sie Widerspruch einlegen, das geht noch ohne Rechtsbeistand und ist mit keinen Kosten verbunden. Auch eine mögliche anschließende Klage vor dem Sozialgericht wäre nicht mit Gerichtskosten verbunden (dafür käme die Rentenversicherung auf). Anwaltskosten können aber entstehen, wenn eine Klage zu Ihren Ungunsten ausgehen sollte.

Wolfgang Büser

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