Pulverfass grauer Markt: Trotz Pleiten zocken dubiose Anbieter ab

- Ungeachtet der jüngsten Pleiten machen Anbieter von riskanten Inhaber-Schuldverschreibungen weiterhin gute Geschäfte. Rund 100 Firmen seien derzeit bundesweit aktiv und lockten Anleger mit Zinsen von durchschnittlich fünf bis sechs Prozent, sagt Volker Pietsch, Leiter des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS). Viele Anbieter seien so erfolgreich, dass sie bereits mit perfekt organisierten Vertriebsgruppen agierten. "Dabei sind Inhaberschuldverschreibungen höchst riskant", warnt der Experte.

Das Risiko verdeutlichen die jüngsten Pleiten der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig West AG und der Düsseldorfer DM Beteiligungen, die zuletzt mit Verzinsungen zwischen 5,5 und 6,85 Prozent geworben hatten. Laut DIAS sind allein bei Leipzig West 30 000 Anleger mit einer Gesamtsumme von rund 300 Millionen Euro betroffen, bei DM Beteiligungen hätten rund 10 000 Anleger etwa 70 Millionen Euro angelegt.

Ob sie von ihrem Geld je etwas zurückerhalten, ist derzeit völlig unklar. Die Verbraucherzentrale Brandenburg empfiehlt Geschädigten, sich für das Insolvenzverfahren den bestehenden Interessengemeinschaften anzuschließen. Beim DIAS hat man in den vergangenen Monaten rund 6000 Anfragen besorgter Anleger registriert. Viele hätten ihr Geld für die Altersvorsorge in Inhaberschuldverschreibungen investiert und fürchteten nun einen Verlust, sagt Pietsch.

Die Experten gehen davon aus, dass weitere Pleiten folgen werden. "Es gibt mehrere unseriöse Firmen, die auf ähnliche Weise arbeiten, daher dürfte es in nächster Zeit noch ein paar böse Überraschungen geben", sagt Christoph Öfele, Leiter des Anlageschutzarchivs (www.anlageschutzarchiv.de) der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK). Bei Inhaber-Schuldverschreibungen suggeriere man den Investoren, dass eine Verzinsung garantiert sei. Vielfach werde sogar mit einer Kapitalgarantie oder einer Grundschuldabsicherung geworben, berichtet Öfele. Rückzahlungen erfolgten jedoch oft nach dem Schneeballprinzip, und vielen Anlegern sei gar nicht klar, dass sie den Anbietern einen äußerst riskanten Kredit gewährten.

Rund 30 Milliarden Euro verlieren deutsche Anleger nach Expertenschätzungen pro Jahr durch unseriöse Finanzgeschäfte. Ungeachtet dessen werden am grauen Kapitalmarkt weiterhin gute Geschäfte gemacht. So verzeichnet allein die "Warnliste" der Stiftung Warentest aktuell über 100 Unternehmen, die in jüngster Zeit am Finanzmarkt negativ aufgefallen sind. Das Spektrum reicht von zwielichtigen Allfinanzvertrieben über dubiose Fonds zur Altersvorsorge bis zu Beteiligungsangeboten für Internet-Glücksspiele.

"Sobald am Finanzmarkt ein Konzept oder eine Branche erfolgreich ist, folgt umgehend das entsprechende Graumarkt-Angebot", sagt SDK-Experte Öfele. So werde beispielsweise für Investitionen in australische Goldminen oder Ölbohrungen in Kanada geworben. Die Renditeversprechen seien hoch, Informationen zu den Risiken gebe es jedoch nicht.

Zudem wird immer häufiger für Investments im außereuropäischen Ausland geworben. "Das hat für die Anbieter den Vorteil, dass kaum ein Anleger überprüfen kann, was tatsächlich mit seinem Geld geschieht", sagt Öfele. Jüngstes Beispiel dafür sei die Pleite eines Anbieters von Öko-Investments aus der Schweiz. Das Unternehmen hatte für langfristige Beteiligungen an ökologisch bewirtschafteten Edelholzplantagen in Südamerika eine jährliche Rendite von 14 Prozent in Aussicht gestellt. Von der Pleite sind rund 3000 Anleger betroffen.

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