Puma und Adidas fühlen sich als EM-Sieger

München - Bei der Fußball-Europameisterschaft wird nicht nur auf dem Platz gegrätscht. Auch das Ausrüstertrio Adidas, Nike und Puma schenkt sich nichts. Schon vor dem Anpfiff fühlen sich die Sportartikelfirmen als Sieger der EM.

Die Sportartikelbranche ist euphorisch. Denn das Supersportjahr 2008 steht mit dem Anpfiff für die Fußball-Europameisterschaft am Samstag vor seinem ersten Höhepunkt. So verbissen wie auf dem Rasen gerungen werden dürfte, geht es unter den Ausrüstern im Kampf um Marktanteile zu. US-Weltmarktführer Nike wie der Herzogenauracher Verfolger Adidas beanspruchen, beim Fußball umsatzmäßig die Nummer eins zu sein. Zählt man die Mannschaften auf dem Feld, wird aus dem Zwei- sogar ein Dreikampf. Denn der fränkische Rivale Puma schickt wie Nike und Adidas je fünf Teams in die EM.

Schweden als sechzehnte Elf rüstet der Sportartikler Umbro aus, den Nike jüngst gekauft hat. Deshalb sieht sich der US-Konzern als neue Nummer eins im Fußball. Zudem hat Nike die bislang im Adidas-Logo kickenden Franzosen den Franken abspenstig gemacht. Ab 2011 tritt der Vizeweltmeister in Nike-Trikots an. Adidas-Chef Herbert Hainer zeigt sich unbeeindruckt. "Wir sind unverändert die Nummer eins im Fußball", erklärt er. Man werde während des EM-Turniers Daten vorlegen, die das beweisen sollen, verspricht eine Konzernsprecherin.

Klar ist aber, dass der Verdrängungswettbewerb um die Ausrüstung von Nationalmannschaften und wichtige Vereinsteams in vollem Gange ist. Auch die von Adidas versorgte DFB-Elf wollte Nike abwerben, ist damit aber gescheitert. "Es wird immer teurer und mit harten Bandagen gekämpft", beschreibt eine Börsianerin das Wettbieten vor allem zwischen Adidas und Nike um Werbeträger. 40 Millionen jährlich zahlt der US-Konzern den Franzosen angeblich jährlich. Dazu kommen noch Kosten für Werbekampagnen, was manchen Experten zweifeln lässt, ob sich der Aufwand, der pro Ausrüster in der Summe hohe dreistellige Millionensummen erreicht, unter dem Strich noch lohnt.

Seriös beziffern lässt sich der Werbeeffekt einer EM kaum, zudem die Konzerne mit Daten dazu knausern. Adidas will 2008 mit Fußball mehr als die 1,2 Milliarden Euro umsetzen, die zur WM 2006 einen neuen Rekord beschert hatten. Wie groß das Plus sein soll, lässt Hainer offen. An den Fan bringen wollen die Franken 2008 rund eine Million DFB-Trikots und über sechs Millionen des offiziellen WM-Balls, den Adidas exklusiv im Sortiment hat.

Auch für das Geschäft mit Fußballschuhen erwarten sich Adidas & Co einen Schub. Hier wird die Sache aber kompliziert. Denn die EM 2008 ist das erste Turnier, bei dem auch die DFB-Kicker nicht mehr von Kopf bis Fuß von der Marke mit den drei Streifen bestückt werden. Es herrscht freie Schuhwahl, was dazu führt, dass unter anderem Miroslav Klose mit einem Adidas-Hemd stürmt, aber seine Tore mit Nike-Schuhen schießt.

Sturm-Kollege Mario Gomez hat dagegen die Marke mit der springenden Wildkatze am Fuß. Auch solche Einzelverträge kosten in der Spitze eine einstellige Millionensumme. Planbar ist ein Erfolg der Werbemillionen nur bedingt. 80 Prozent aller EM-Umsätze mache Adidas vor dem Turnier, hat Hainer jüngst verraten. Der Rest hänge davon ab, wie weit eine Mannschaft kommt. Als 2004 das Adidas-Team Griechenland überraschend Europameister wurde, gingen anschließend 150 000 griechische Trikots über die Tresen.

Nicht alle denken zur EM aber nur an Fußball und Umsatz. Den Blick auf Moral und Rechte von Beschäftigten bei Zulieferern von Nike, Adidas & Co lenkt das Bündnis Play Fair 2008. In einer Studie, zu der 300 Betroffene aus China, Indien, Thailand und Indonesien befragt wurden, listet es viele Missstände bei asiatischen Produzenten auf. In einigen Punkten hätten Sportartikler, die oft in identischen Fabriken fertigen lassen, auf die seit Jahren anhaltende Kritik reagiert, sagt ein Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). "Es gibt keine archaischen Züchtigungen mehr", sagt er über Fabriken in China.

Die Lohnsituation sei aber eher schlechter geworden. Das sieht auch Play Fair-Sprecher Berndt Hinzmann so. Er nennt den Zulieferer Joyful Long, der Beschäftigten nur 54 Dollar monatlich und damit die Hälfte des chinesischen Mindestlohns zahle. Zudem würden vor allem vor Großereignissen wie der EM bis zu 232 Überstunden monatlich verlangt. Gelinge es, vor Ort eine Vertretung für Arbeitnehmer zu gründen und höhere Löhne auszuhandeln, verliere diese Fabrik dann in der Regel ihre Aufträge an Konkurrenten, die noch Hungerlöhne zahlen.

Puma und Adidas mussten sich derartige Vorwürfe bei den jüngsten Hauptversammlungen anhören. Wie Nike weist das Duo die Kritik zurück. Lohnkosten seien zwar ein bestimmender Faktor. Keinesfalls verlagere man nach Gründung einer Arbeitnehmervertretung die Produktion. Mindestlöhne würden gezahlt. Vorwürfen gehe man nach und entziehe bei Verletzung von Arbeitsrechten notfalls auch Aufträge. Wort steht hier vielfach gegen Wort.

Sicher ist nur, dass Ende Juni der Europameister gekürt wird. Der Kampf der Sportartikler geht danach weiter, die WM 2010 in Südafrika im Blick. "Bis dahin könnte der Wachwechsel da sein", sagt ein intimer Branchenkenner, der derzeit Adidas mit etwa einem Drittel Weltmarktanteil noch an der Spitze der Fußballausrüster sieht. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Nike vorbeizieht.

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