Putzkräfte dringend gesucht: Jeder Dritte wollte nur schwarz arbeiten

- München - Die Schwarzarbeit blüht: Rund 345 Milliarden Euro setzt die Schattenwirtschaft jährlich um. Bis zu sechs Millionen Vollzeitstellen gehen dadurch verloren. Mit neuen Bündnissen und verstärktem Datenabgleich will die Große Koalition die Schattenwirtschaft bekämpfen. Im Visier sind zunehmend auch Arbeitslose, die sich neben der staatlichen Unterstützung noch ein Zubrot verdienen.

Gerade in der Reinigungsbranche gibt es immer weniger, die bereit sind, auf Lohnsteuerkarte zu arbeiten. Das zeigt ein Beispiel, das Barbara Völkel und Ariane Vuckovic von der Sendung "ZDF Reporter" dokumentierten: Silke Reich hatte sich mit einer Dienstleistungsfirma selbstständig gemacht. Weil die Auftragslage gut war, suchte sie weitere 400-Euro-Kräfte. Doch ein Drittel der Bewerberinnen wollte nur schwarz arbeiten. "Angemeldet, dask ann ich leider nicht machen. Ich bin arbeitslos und habe noch einen Job, wo ich angemeldet bin", so eine Frau.

70 Milliarden Euro Steuerausfall jährlich

Die Große Koalition ist nicht die erste Bundesregierung, die der Schattenwirtschaft den Kampf angesagt hat. "Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt, sondern handfeste Wirtschaftskriminalität", bekräftigte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bei der Vorstellung eines neuen Bündnisses mit den Spitzenverbänden des Speditions-, Logistik- und Transportgewerbes. Gemeinsam will man verstärkt gegen schwarze Schafe in der Branche vorgehen. Vorbild ist die Baubranche, die seit zwei Jahren massiv kontrolliert wird. Dazu hatte Rot-Grün die Behörde Finanzkontrolle Schwarzarbeit gegründet (siehe Kasten). Allein der Steuerausfall durch die Schwarzarbeit beträgt jährlich rund 70 Milliarden Euro.

Durch Datenabgleich mit Rentenversicherern und Krankenkassen versucht die Münchner Arbeitsagentur, Leistungsmissbrauch aufzuspüren. Mit Erfolg: Rund 1500 Fälle wurden 2005 aufgedeckt, in denen Bezieher des Arbeitslosengeldes I nebenbei schwarz arbeiteten. Das gleiche Verfahren wird inzwischen auch bei der Arbeitsgemeinschaft (Arge) in München eingesetzt - sie ist zuständig für Hartz-IV-Empfänger. "Wir müssen leider feststellen, dass die Zahl zunimmt", sagt Peter Garbe, Sachgebietsleiter Ordnungswidrigkeiten in der Arbeitsagentur München.

Etwa 30 Hartz-IV-Empfänger, die einen unangemeldeten Zusatzjob ausübten, sind den Fahndern in München seit Anfang des Jahres ins Netz gegangen. "Die breite Masse der Arbeitslosen verhält sich aber korrekt", betont Jakob Grau, stellvertretender Leiter der Arge München. Das Problem lasse sich auch nicht nur durch Kontrollen lösen. "Der beste Schutz vor Schwarzarbeit ist ein enges Betreuungsverhältnis zwischen Arge und Arbeitslosen", so Grau.

Die Sendung "ZDF Reporter" wird heute um 21 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

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