Qimonda beschert Infineon schweren Quartalsverlust

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München (dpa) - Dem Halbleiter-Konzern Infineon drohen weitere hohe Belastungen durch seine Speicherchip-Tochter Qimonda. Dabei muss der Mutterkonzern nicht nur im operativen Geschäft mit anhaltenden Verlusten rechnen.

Wenn der Qimonda-Kurs am Ende des laufenden Quartals unter 6,50 Dollar liegt, muss Infineon auch weitere Abschreibungen vornehmen, wie Finanzchef Marco Schröter am Mittwoch in einer Telefonkonferenz bestätigte. Es sei sowohl eine Auf- als auch eine weitere Abwertung möglich.

Zum Jahresanfang hatte Infineon seine Beteiligung noch zu 12 Dollar in den Büchern stehen. Nachdem die Mutter das Geschäft jedoch als "nicht fortgeführt" deklariert hatte, musste sie abwerten - und kam auf 6,50 Dollar. Daraus resultierte eine Abschreibung über eine Milliarde Euro. Der aktuelle Börsenkurs von Qimonda liegt aber noch tiefer bei 3,56 Dollar.

Die Milliarden-Abschreibung und operative Verluste der Tochter drückten Infineon im zweiten Geschäftsquartal mit 1,37 Milliarden Euro in die roten Zahlen. Ohne Qimonda machte Infineon einen Gewinn von 19 Millionen Euro. Der Umsatz im fortgeführten Geschäft sank von 1,09 auf 1,049 Milliarden Euro.

Dennoch stand die Infineon-Aktie am Nachmittag 4,28 Prozent im Plus bei 5,36 Euro. Getrieben wurde sie von Spekulationen, Finanzinvestoren seien an einer Übernahme interessiert. Konzernchef Wolfgang Ziebart stellte allerdings klar: "Wir befinden uns nicht in Gesprächen mit Private-Equity-Leuten."

Die Tochter Qimonda hatte am Montagabend aufgrund des drastischen Preisverfalls bei Speicherchips den vierten Quartalsverlust in Folge vermeldet. Das Minus summierte sich auf 482 Millionen Euro. Die Konzernmutter Infineon leidet jedes Mal mit, da sie noch 77,5 Prozent hält. Bis zur Hauptversammlung 2009 soll der Anteil auf unter 50 Prozent fallen.

Infineon spricht derzeit mit Interessenten. Namen wollte Konzernchef Wolfgang Ziebart aber nicht verraten. Im Markt und in Medien war immer wieder über Kaufabsichten direkter Wettbewerber Qimondas aus Asien und den USA spekuliert worden. Branchenkenner zweifeln jedoch an solch einem Szenario, leiden doch auch die Konkurrenten unter dem Überangebot am Speichermarkt und schreiben Millionenverluste.

Einen Verkauf an einen Finanzinvestor wiederum hält Ziebart selbst für unwahrscheinlich. "Wir sehen den klassischen Private-Equity-Deal als beschränkt an", sagte er. Finanzinvestoren seien an solch volatilen Geschäftsfeldern wie den Speicherchips (DRAM) nicht interessiert. Findet sich kein Käufer, will Infineon seine Beteiligung als Sachdividende an die Aktionäre verschenken oder gegen eigene Aktien eintauschen.

Auch im Kerngeschäft mit Steuerungschips für Auto und Industrie sowie für die Telekommunikationstechnik läuft es bei Infineon weiter nicht rund, wenngleich besser als von Analysten vermutet. In der Auto- und Industriesparte AIM blieb der Umsatz fast konstant bei 741 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) hingegen fiel auf 69 Millionen Euro. In der Kommunikationssparte COM verschlechterte sich der Umsatz auf 302 Millionen Euro und verdreifachte sich der EBIT-Verlust auf 29 Millionen Euro.

Im dritten Geschäftsquartal versucht Infineon, den Umsatz stabil zu halten, schließt aber auch einen leichten Rückgang nicht aus. Das EBIT sieht der Konzern sinken. Die Gesamtjahresprognose bestätigte das Unternehmen. Demnach hofft Infineon auf einen steigenden Umsatz und ein positives EBIT. Für das nächste Geschäftsjahr ist Vorstandschef Ziebart dagegen weniger zuversichtlich gestimmt als in der Vergangenheit. Wenn sich das Verhältnis von Euro zum Dollar auf dem aktuellen Niveau von 1,60 einpendeln sollte, "wird es nicht möglich sein, eine EBIT-Marge von 10 Prozent zu erreichen".

Halbleiter werden in der Regel in Dollar abgerechnet; Infineon produziert aber zu großen Teilen im Euro-Raum. Das Hauptwerk liegt in Dresden. Entsprechend anfällig ist das Unternehmen für Wechselkurs- Schwankungen. Dem will Infineon mit einer verstärkten Produktion in Niedriglohnländern begegnen. Pläne für einen Stellenabbau speziell in Deutschland gebe es jedoch nicht, beruhigte Ziebart. "Das heißt aber nicht, dass wir eine Arbeitsplatzgarantie abgeben."

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