Qimonda macht Infineon Freude

- München - ­ Bevor Infineon-Chef Wolfgang Ziebart heute die Geschäftszahlen des Münchner Halbleiter-Konzerns bekannt gibt, hat die abgespaltene Tochter Qimonda für Rückenwind gesorgt. Ihr Geschäft läuft weit besser als erwartet, gab das Unternehmen bekannt. Da fragt sich mancher, warum Ziebart künftig auf diesen Anschub verzichten will.

Vor einem Jahr hat Infineon seine eigene Zerschlagung beschlossen. Bis dahin umfasste das Geschäft zwei Produkt-arten: Logik- und Speicherchips. Letztere sind Bausteine, mit denen Daten etwa auf Computern gespeichert werden. Sie unterliegen besonders starken Preis- und Nachfrage-Schwankungen.

Und das ist in der Vergangenheit immer wieder zur Belastung für den Konzern geworden. Deshalb entschied man sich, das Geschäft mit Speicherchips in die Gesellschaft Qimonda auszugliedern. Diese wurde im Sommer in New York an die Börse gebracht, wobei Infineon knapp 15 Prozent seiner Anteile verkaufte. Ziel von Infineon ist es, sich ganz von Qimonda zu trennen und auf das Geschäft mit Logikchips zu konzentrieren. Die Gewerkschaft IG Metall hat diesen Schritt von Anfang an kritisiert und sieht sich nun bestätigt: Ausgerechnet das schwankungsanfällige Qimonda-Geschäft könne dem Konzern Stabilität geben.

"Wir haben im abgelaufenen Quartal eine Rekordleistung erzielt", verkündete Qimonda-Chef Kin Wah Loh stolz. Zudem habe man verstärkt auf Produkte gesetzt, die höhere Gewinnspannen versprechen, und dabei "größere Fortschritte gemacht als ursprünglich geplant". So stieg der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr, das zum 30. September endete, gegenüber dem Vorjahr um 35 Prozent auf 3,81 Milliarden Euro. Der Konzernüberschuss vervierfachte sich auf 74 Millionen Euro.

Auf den Gewinn wirkte sich besonders positiv aus, dass die Verkaufspreise für Speicherchips im vierten Quartal über den Erwartungen lagen. Insgesamt ist der Markt von Preisverfall gekennzeichnet. Über das gesamte Geschäftsjahr hinweg konnte für die Chips im Schnitt 20 Prozent weniger verlangt werden als im Jahr zuvor.

Die Aussichten sind nach Einschätzung von Qimonda gut. Die Nachfrage nach Speicherkapazität werde steigen ­ zum Beispiel, weil das neue Windows-Betriebssystem Vista höhere Anforderungen an die Speicher von PCs stelle.

Die Börse feierte die Nachrichten des Chipherstellers. Der Qimonda-Kurs stieg gestern zweitweise über zehn Prozent, die Infineon-Aktie legte rund 3,5 Prozent auf 9,50 Euro zu. Doch beim Ausstieg aus dem Geschäft, das heute blendend und morgen katastrophal dastehen kann, soll es für Infineon bleiben. Das sei "Basis unserer strategischen Neuausrichtung", erklärte ein Infineon-Sprecher.

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