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Der Chiphersteller Qimonda hat Insolvenz angemeldet.

Infineon-Tochter Qimonda ist pleite - Insolvenzantrag gestellt

München - Der krisengeschüttelte Speicherchiphersteller Qimonda mit weltweit rund 12 000 Beschäftigten ist pleite. Nach wochenlangem Überlebenskampf stellte die Infineon-Tochter am Freitag Insolvenzantrag beim Amtsgericht München, wie eine Gerichtssprecherin der Deutschen Presse-Agentur dpa am Freitag sagte.

"Es ist ein Eigenantrag eingegangen." Dieser müsse jetzt eingetragen werden, über das weitere Vorgehen entscheide dann der zuständige Richter. Das Unternehmen will seinen Betrieb trotz der Insolvenz aufrechterhalten.

Der Vorstand sehe "gute Chancen", die zur Neuausrichtung notwendigen finanziellen Mittel in Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern und Investoren zu bekommen, teilte Qimonda mit. Der Vorstand sei bestrebt, wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren. "Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können", sagte Vorstandschef Kin Wah Loh. Der vorläufige Insolvenzverwalter werde sich in den nächsten Tagen einen Überblick über die Situation des Unternehmens verschaffen.

Qimonda mit Standorten in Dresden, München und Porto leidet seit langem unter dem dramatischen Preisverfall bei DRAM-Speicherchips und der Konkurrenz aus Fernost. Derartige Speicherchips kommen vor allem in Computern und Spielekonsolen, aber auch in Handys zum Einsatz.Die Zahl der Beschäftigten hatte sich durch ein Sparprogramm von ursprünglich 13 000 auf mittlerweile 12 000 verringert.

Die Infineon-Tochter steckte bereits seit Wochen in der Existenzkrise. Zuletzt war bekanntgeworden, dass Qimonda weitere bis zu 300 Millionen Euro an frischem Kapital benötigt. Zusammen mit einem im Dezmber geschnürten Finanzpaket summierte sich der Liquiditätsbedarf damit auf mehr als eine halbe Milliarde Euro, eine Insolvenz hatte sich deshalb bereits abgezeichnet.

Durch die Pleite werden gravierende Folgen für die Standorte des Unternehmens erwartet. Aber auch Infineon drohen nun nach früheren Angaben von Konzernchef Peter Bauer hohe Lasten. Eine genaue Summe hatte Bauer aber nie genannt. Ein Infineon-Sprecher wollte sich auch am Freitag nicht zu möglichen Belastungen äußern. Ihm liege keine offizielle Bestätigung der Insolvenz vor. Das Unternehmen war 2006 von der Mutter Infineon abgespalten und an die Börse gebracht worden. Infineon hält noch rund 77,5 Prozent der Aktien.

Bund sowie die Länder Sachsen und Bayern hatten zuletzt nach Angaben aus Finanzkreisen eine Absicherung des kurzfristig benötigten Finanzbedarfs über Bürgschaften abgelehnt. Auch die Banken hätten sich von Qimonda abgewendet, hieß es am Vortag. Die Eigenkapitalsituation sei dramatisch. Vorangegangen war am Mittwochabend ein Spitzentreffen aller Beteiligten, das aber keine Fortschritte gebracht habe.

Erst kurz vor Weihnachten hatten Sachsen, Portugal und der Mutterkonzern Infineon ein Rettungspaket über 325 Millionen Euro zugesagt. Sachsen wollte sich mit 150 Millionen Euro beteiligen, Infineon mit 75 Millionen Euro und Portugal als einer der Qimonda-Standorte mit 100 Millionen Euro. Daneben war eine Bürgschaft von Bund und Land Sachsen über 280 Millionen Euro vorgesehen.

dpa

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