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Eine glücklose Verbindung: Qimonda belastet womöglich den Mutterkonzern Infineon

Qimonda stellt Insolvenzantrag: Bittere Momente eines Krisenbetriebs

München - Trotz der Pleite soll der Speicherchiphersteller Qimonda gerettet werden. Doch eine Zukunft haben wohl nur einzelne Standorte, nicht der gesamte Konzern.

Im schwierigen Markt für Speicherchips hat Qimonda zuletzt kein Land gesehen: Allein im ersten Halbjahr 2008 erlitt das Unternehmen fast 900 Millionen Euro Verlust. Wie es weiterging, weiß man nicht. Denn seitdem hat der Krisenbetrieb keine Geschäftszahlen mehr veröffentlicht. Qimonda rechtfertigte das mit der Suche nach einem Investor, der man Vorrang gebe. Inzwischen weiß man: Es ging seither nicht bergauf – gelinde gesagt. Qimonda hat am Freitag für seine deutschen Gesellschaften Insolvenzantrag gestellt.

Statt eines Investors hatten sich die üblichen Verdächtigen um eine Rettung des Unternehmens bemüht: Der Münchner Mutterkonzern Infineon, der 77,5 Prozent der Qimonda-Anteile besitzt, der Freistaat Sachsen, wo Qimonda am Standort Dresden 3200 Mitarbeiter beschäftigt, der Freistaat Bayern, wo am Firmensitz München 1400 Menschen für Qimonda tätig sind, der Bund und das Land Portugal, wo Qimonda ebenfalls ein wichtiger Arbeitgeber ist. Zuletzt waren sie sich einig: Sachsen wollte 150 Millionen Euro an Kredit gewähren, Portugal 100 Millionen und Infineon 75 Millionen. Zusätzlich sollten Sachsen und der Bund Bürgschaften von insgesamt 300 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Doch die scheinbar sichere Rettung ist misslungen.

Es sei „ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf“ entstanden, über den die Beteiligten erst zu Wochenbeginn informiert worden seien, teilte Sachsens Wirtschaftsministerium mit. Dem Vernehmen nach geht es um weitere 300 Millionen Euro. Auf Basis der neuen „Finanzierungskonzepte“ von Qimonda hätten sich weder Infineon, noch der Freistaat Sachsen, noch die Bundesregierung in der Lage gesehen, sich zu engagieren, erklärte das Ministerium. Damit blieb dem Unternehmen nur der Weg zum Insolvenzgericht.

Qimonda selbst äußerte sich nicht zum zusätzlichen Kapitalbedarf. Das Unternehmen nannte den massiven Preisverfall in der Speicherchip-Industrie in Kombination mit einem dramatisch verschlechterten Zugang zu Finanzierungen als Ursachen für die Pleite. Allein im vergangenen Quartal sind die Verkaufspreise für Speicherchips um über 50 Prozent eingebrochen.

Jetzt ruht die Hoffnung auf dem vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Noch läuft der Betrieb bei Qimonda weiter. Und Qimonda-Chef Kin Wah Loh gab sich zuversichtlich, dass „wir unseren Geschäftsbetrieb im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können“. Man sei bestrebt, „wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren“, hieß es.

Der Münchner Betriebsratsvorsitzende bei Qimonda, Jakob Hauser, sprach von einem „bitteren Moment“. Man hoffe, dass eine Fortführung des Unternehmens möglich sei. Eine Schlüsseltechnologie wie die von Qimonda dürfe nicht zugrunde gehen. Bei der IG Metall hieß es, wie die Chancen stünden, hänge davon ab, wie groß das Finanzloch wirklich sei. Die Gewerkschaft wollte schnellstmöglich mit Insolvenzverwalter Jaffé ins Gespräch kommen.

Der machte sich am Freitag mittag auf den Weg zur Qimonda-Zentrale, um einen Eindruck von der Lage des Unternehmens zu gewinnen. Zwar sicherten sowohl der Bund als auch Sachsen und Bayern ihre Unterstützung zu, doch Branchenkenner gehen davon aus, dass Qimonda nicht als Ganzes zu retten sein wird. Allenfalls für einzelne Standorte wie das Chipwerk in Dresden sei mit Kaufinteressenten zu rechnen. Am Standort München liegen Entwicklung und Verwaltung des Unternehmens. Und für diese Bereiche dürfte es besonders hart werden.

Die Pleite hat auch Folgen für den Mutterkonzern Infineon. Dieser muss wegen der Qimonda-Insolvenz „erhebliche Verbindlichkeiten“ unter anderem wegen kartell- und wertpapierrechtlicher Verfahren befürchten. Infineon nimmt deshalb Rückstellungen in Höhe einer niedrigen dreistelligen Millionensumme vor.

Dominik Müller

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