Agentur für Arbeit

Qualität statt Quantität bei der Vermittlung

München - Der Bundesrechnungshof bemängelt, dass bei der Bundesagentur für Arbeit Mitarbeiter tricksen, um ihre Zielvorgaben zu erreichen. Die BA will nachbessern – künftig soll es mehr auf Qualität als auf Quantität ankommen.

Violett steht für Regionen mit guter Arbeitsmarktlage, gelb für Regionen, in denen die Chancen schlecht stehen. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird Deutschland in Farben eingeteilt. BA-Chef Frank-Jürgen Weise deutet auf eine bunte Deutschlandkarte. „So ergeben sich vergleichbare Agenturen“, erläutert er. Agenturen mit der gleichen Farbe konkurrieren untereinander um die besten Vermittlungsquoten.

Doch das System, das für mehr Effizienz sorgen soll, hat Fehler. Das deckt ein Bericht des Bundesrechnungshofs auf. Der Vorwurf: BA-Mitarbeiter kümmern sich zu wenig um Arbeitslose, die besonders schwer zu vermitteln sind, und konzentrieren sich auf Kunden, die auch ohne Hilfe einen Job finden würden, um die Zahl ihrer Vermittlungen in die Höhe zu treiben. Das Steuerungssystem schaffe Fehlanreize bemängelt der Rechnungshof. Der Bericht liegt der BA seit Ende 2012 zur Stellungsnahme vor.

Vorstand und Verwaltungsrat der BA verteidigen das Steuerungssystem. „Die Darstellung, dass das System zu Fehlanreizen führt, ist falsch“, sagt Peter Clever, Vorsitzender des Verwaltungsrates. Weise räumt allerdings ein, „dass es Ausprägungen in der BA gibt, die nicht gewünscht sind“. Eine Agentur, die zum Beispiel 50 Prozent ihrer Arbeitslosen in Zeitarbeit vermittle, sei nicht in Ordnung. Deshalb soll künftig mehr Wert auf die Qualität der Vermittlung gelegt werden: Weg von kurzfristigen Maßnahmen, hin zu mittel- und langfristigen. Konkret sollen 2014 drei Qualitätskriterien eingeführt werden. Geplant sei das bereits seit vergangenem Jahr – ganz unabhängig von dem Bericht des Rechnungshofes, erklärt Clever.

Nachhaltige Integration soll sich künftig positiv in der Bilanz eines Vermittlers niederschlagen. Es gibt Pluspunkte, wenn vermittelte Kunden länger als sechs Monate beschäftigt bleiben. Außerdem sind Pluspunkte für Vermittlungen in kleine und mittelständische Unternehmen vorgesehen. Außerdem gibt es für die Vermittlung von Jugendlichen mit Hauptschulabschluss oder ohne Schulabschluss künftig mehr Punkte als für einen vermittelten Abiturienten. „Die Qualitätskriterien sollen mit rund 25 Prozent ins Zielsystem einfließen“, so Celver.

Führungskräften, die in einzelnen Agenturen enormen Leistungsausdruck ausüben, bezeichnen Clever und Weise als Einzelfälle. Der Rechnungshofbericht zeige, wie Einzelne das Steuerungssystem auf den Kopf stellen würden, so Clever. „Es sind harte disziplinarische Konsequenzen gezogen worden“, beteuert er.

von Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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