Qualitätsprobleme bei Mercedes schwächen Daimler-Bilanz

- Sindelfingen - Verkehrte Welt bei Daimler-Chrysler: Während beim Aushängeschild Mercedes der Gewinn drastisch eingebrochen ist, glänzen die einstigen Sorgenkinder Chrysler und Nutzfahrzeuge. Doch auch dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Autobauer im vergangenen Jahr mit einem Betriebsgewinn von 5,8 Milliarden Euro deutlich hinter der Erwartung vieler Analysten zurückgeblieben ist.

<P>Auch für dieses Jahr erwartet Konzernchef Jürgen Schrempp nur einen leichten Anstieg des Betriebsgewinns. Anleger werden einmal mehr auf die Zukunft vertröstet: Mit "deutlichen Ergebnisverbesserungen" sei erst in den nächsten beiden Jahren zu rechnen, erklärte Schrempp auf der Jahrespressekonferenz. Die Börse strafte die Daimler-Chrysler-Aktie ab. Mit 1,6 Prozent führte das Papier des Autobauers die Verliererliste an. Das schwache vierte Quartal, in dem Mercedes praktisch keinen operativen Gewinn mehr erwirtschaftete, und die verhaltene Aussicht verdarben Anlegern die Stimmung.<BR><BR>Sieben Jahre nach der Fusion mit Chrysler sieht dagegen Schrempp mit Blick auf die gelungene Sanierung des US-Standbeins seine Strategie bestätigt, auf Konzernebene Schwächephasen des einen Geschäftsfeldes mit den Stärken anderer Sparten auszugleichen. 2004 erzielte Chrysler trotz der Rabattschlacht in den USA einen operativen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro (nach einem Verlust von rund einer halbe Milliarde Euro im Vorjahr).<BR><BR>Dagegen funkelt der Mercedes-Stern nur noch matt: Der operative Gewinn der Premiummarke hat sich im vergangenen Jahr fast halbiert, er sank auf 1,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 3,1 Milliarden Euro). Damit sind die beiden Standbeine des deutsch-amerikanischen Autobauers inzwischen in ihrem Ergebnisbeitrag fast gleich stark.<BR><BR>Es gibt mehrere Gründe für den Einbruch bei Mercedes: Neben Dollarschwäche und hohen Anlaufkosten für neue Modelle haben die Kosten für die Beseitigung von Qualitätsmängeln die Bilanz verhagelt und das Image der Premiummarke angekratzt. Eine Dauerbaustelle bleibt der Smart: Zwar hat sich der Kleinwagen in den vergangenen Monaten besser verkauft als in den Jahren zuvor, doch Geld verdient Mercedes damit immer noch nicht.<BR><BR>Der neue Mercedes-Chef Eckhard Cordes will mit einem massiven Ertragssteigerungsprogramm seinen Unternehmensbereich wieder auf Erfolgskurs bringen. Mehr als drei Milliarden Euro sollen damit bis 2007 eingespart werden. Das Programm trägt den Namen "CORE": Cost Down, Revenues Up, Execution" - letztes Wort sei aber nicht mit "Hinrichtung" zu übersetzen, sondern mit "Ausführung", witzelte Schrempp.<BR><BR>Cordes wollte sich nicht in die Karten schauen lassen, an welche konkreten Maßnahmen bei "CORE" gedacht ist. Eines aber scheint klar: Um die Kosten zu senken, dürfte auch beim Personal der Rotstift angesetzt werden. Der im vergangenen Juli mit den Arbeitnehmern vereinbarte Beschäftigungspakt schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2011 zwar aus - aber "sonst nichts", stellte Cordes klar. Ziel ist es, die Umsatzrendite bis 2007 auf 7 Prozent nach oben zu treiben. Eine Größe, die Erzrivale BMW längst erreicht hat.</P>

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