Quartalszahlen: Drei unerwartete Gewinner und ein Rutsch ins Tal

- München - Die einstigen Kellerkinder sind wieder wer: Mit unerwartet guten Zahlen hat gestern der gebeutelte Chemiekonzern Bayer überrascht. Und schneller als erwartet hat die Commerzbank die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Auch die Post präsentierte ein Gewinn- und Umsatzplus - das jedoch die Börsianer kalt ließ. Tief ins Tal der Tränen abgetaucht ist Volkswagen.

<P>Vollgas ins Tal</P><P>Der Wolfsburger Konzern ist seit Jahresbeginn mit Vollgas Richtung Talsohle gerauscht. Dabei haben der starke Euro und hohe Kosten für neue Modelle wie den Golf die Folgen der schwachen Autokonjunktur dramatisch verschärft. Der Gewinn stürzte von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Drittel auf 331 Millionen Euro ab, deutlich stärker als Analysten erwartet hatten. Die Anleger dagegen hatten offenbar Schlimmeres befürchtet. Die Aktie gab zwar nach - jedoch schwächer als der Dax. VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte seit Wochen auf ein extrem schwaches Quartal vorbereitet. Er bekräftigte mit Hinweis auf neue Modelle, er rechne mit einer Erholung im zweiten Halbjahr.<BR><BR>Weil sich der Absatz mit plus 3,1 % auf 1,21 Millionen Fahrzeuge leicht positiv entwickelte, hielt der Konzern seinen Anteil am Weltmarkt mit 11,3 % stabil. Grund war vor allem der boomende Markt in China. <BR><BR>Überraschender Gewinn</P><P>Die Commerzbank hat überraschend schon im ersten Quartal 2003 wieder schwarzen Zahlen geschrieben. Die viertgrößte deutsche Bank wies ein Vorsteuerergebnis von 38 Millionen Euro aus, nach einem kräftigen Verlust von 417 Millionen Euro im Vorquartal. Der Nettogewinn lag in den ersten drei Monaten bei 3 Millionen Euro. Die Börse honorierte das anfangs mit einem Kursplus von über 4 %, bevor die Aktie mit dem Gesamtmarkt abtauchte.<BR><BR>Die Zahlen liegen nach Angaben der Bank über der eigenen Planung und auch über den Erwartungen der Analysten. Diese hatten mit einem Nettoverlust von etwa 60 Millionen Euro gerechnet. Der Verwaltungsaufwand verringerte sich im ersten Quartal weiter und zwar um 15,7 % auf 1,179 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge verringerte sich leicht um 0,8 % auf 252 Millionen Euro. <BR><BR>Porto sinkt, Gewinn steigt</P><P>Die Deutsche Post AG rechnet für das laufende Jahr mit einem deutlich höheren Konzerngewinn als im Vorjahr. Das Unternehmen begründete seinen Optimismus mit dem unerwartet guten Verlauf der ersten drei Monate des Jahres 2003. Die Post-Aktie wurde durch diese Aussichten beflügelt: Sie legte bis Nachmittag um rund 1,5 % zu, gab dann aber wieder nach. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres stieg der Umsatz der Post AG leicht um 0,7 % auf rund 9,8 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn verbesserte sich um 21,4 % auf 500 Millionen Euro. Dies sei der Effekt einer von rund 40 % auf 30 % gesunkenen Steuerquote, so ein Sprecher.<BR><BR>Trotz der angeordneten Senkung des Briefportos zu Jahresbeginn konnte die Briefsparte ihren Umsatz sogar um 0,4 % steigern. Die Preissenkung verursachte zwar einen rechnerischen Umsatzrückgang von 72 Millionen Euro oder 4,4 %. Dies sei aber durch höhere Nachfrage nach Briefmarken aufgefangen worden.<BR><BR>31 % mehr verdient</P><P>Ein kräftiges Gewinnplus im ersten Quartal 2003 hat den Aktienkurs der Bayer AG beflügelt. Mit einem Anstieg des operativen Ergebnisses um 31 % auf knapp 1,1 Milliarden Euro sei das Unternehmen erfolgreich ins neue Geschäftsjahr gestartet, teilte der Konzern mit. Der Konzerngewinn wuchs um 12 % auf 586 Millionen Euro.<BR><BR>Nach einem Jahr des Übergangs werde deutlich, dass der Zukauf des Pflanzenschutzunternehmens Aventis Cropscience und die umfangreichen Programme zur Effizienzsteigerung "erste, deutlich sichtbare Früchte bringen", erklärte Vorstandschef Werner Wenning. Verbessert hat sich die Ertragslage vor allem auch in der angeschlagenen Pharma-Sparte. Hier sei das operative Ergebnis in den ersten drei Monaten um 62 % gestiegen. Der Umsatz des Unternehmens kletterte in den ersten drei Monaten um 5 % auf 7,4 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigen schrumpfte dagegen um 4000 auf 118 600.<BR><BR></P>

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