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Der neue Katalog kommt: Druckerei startet Produktion vor endgültiger Bürgschaftszusage.

Quelle: Der Katalog ist im Druck

Nürnberg/Fürth - Die Mitarbeiter des insolventen Versandhauses Quelle sind aus ihrer Schockstarre erlöst worden. Seit Freitagabend laufen die Druckmaschinen für den neuen Hauptkatalog auf Hochtouren.

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Die ersten Exemplare sollen Mitte nächster Woche in den Briefkästen der Kunden liegen. “Das ist wie ein Sechser im Lotto“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel. “Der Katalog ist zwar nicht alles, aber ohne den Katalog ist alles nichts.“

Quelle macht einen beträchtlichen Teil des Umsatzes in Höhe von knapp drei Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2007/08) mit dem Kataloggeschäft. Etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes kommt nach Angaben von Gawlas über Bestellungen im Internet zustande, der Rest entfällt auf das Kataloggeschäft und eigene Läden von Quelle.

Für den Druck von rund acht Millionen Exemplaren der Herbst/Winter-Ausgabe muss das ums Überleben ringende Unternehmen 20 bis 25 Millionen Euro berappen. Nur dank in Aussicht gestellter Staatsbürgschaften hatten die Maschinen in der Nürnberger Druckerei Prinovis am Freitag um 22.00 Uhr anlaufen können. “Obwohl die endgültige Zusage für die von Quelle geforderte Bürgschaft noch nicht vorliegt, haben wir uns dazu entschlossen, mit der Produktion des Kataloges für unseren langjährigen Kunden Quelle zu beginnen“, teilte Prinovis mit.

Um die Fertigung nach dem Wochenende fortsetzen zu können, benötige die Druckerei in der kommenden Woche aber eine rechtsverbindliche Zusage zur Übernahme der Produktionskosten. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verteidigte indessen den Beschluss der bayerischen Staatsregierung, sich an der geplanten 50- Millionen-Euro-Bürgschaft von Bund und Ländern zu beteiligen.

“Hätte der Katalog nicht gedruckt werden können, hätte das das Ende von Quelle bedeutet“, sagte der Regierungschef. Allein in Bayern arbeiten mehr als 6000 Menschen bei Quelle. In Deutschland beschäftigt Quelle außerdem in Sachsen mehr als 1000 Mitarbeiter. Betriebsratschef Sindel zeigte sich zufrieden über das Engagement von Bund und Ländern zur Rettung von Quelle. “Alle Parteien sehen: Wir müssen etwas tun“, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa. “Wenn der Katalog nicht hätte gedruckt werden können, kann man das Geschäft der Quelle schlicht nicht betreiben.“

Im Zuge der drohenden Zahlungsunfähigkeit der Mutter Arcandor AG hatte auch die Quelle GmbH am 9. Juni einen Insolvenzantrag gestellt.

dpa

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