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Die Region Nürnberg/Fürth ist den vergeblichen Kampf um Arbeitsplätze gewohnt: Das Ende von Quelle ist nur der jüngste große Fall.

„Quelle war ein Stück unserer Identität“

Aus für Quelle: Region Nürnberg/Fürth unter Schock

Fürth - Das Aus von Quelle trifft Nürnberg und Fürth wie ein Fausthieb. Auf einen Schlag werden sich 4000 Menschen zum 1. November arbeitslos melden. In der Region wächst die Angst.

Denn dort gingen schon in den vergangenen Jahren beim Niedergang von Grundig und der Schließung der AEG-Fabrik tausende Arbeitsplätze verloren.

Der Quelle-Katalog: Früher und heute

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Die Stadt will Trost spenden – und sie befürchtet einen Ansturm der Verzweifelten. Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly hat angekündigt, dass das städtische Klinikum eigens für die Quelle-Betroffenen eine psychologische Krisenambulanz einrichten wird. „Viele Familien sind existenziell bedroht“, sagt Maly. „Ehepaare arbeiten gemeinsam bei Quelle, oft auch die erwachsenen Kinder.“ Sein Fürther Amtskollege Thomas Jung spricht von beispiellosem Entsetzen. „Quelle, das war ein Stück unserer Identität.“

Das Ende des Versandriesens trifft eine Region, die in den vergangenen Jahren bereits schwere Schläge hinnehmen musste. Während des vergeblichen Kampfes um die AEG-Hausgerätefabrik in den Jahren 2006 und 2007 fielen 1800 Stellen weg. Jahre zuvor hatten beim Niedergang von Grundig bereits Tausende ihre Arbeit verloren. Als der Aderlass beim später zerschlagenen Elektronikhersteller Mitte der 90er-Jahre einsetzte, kämpften Nürnberg und Fürth mit Arbeitslosenquoten von 13 bis 14 Prozent.

Heute liegen die Quoten zwischen 8 und 9 Prozent. „Wir haben die Strukturen stabiler gemacht und sind krisenfester als damals“, sagt Maly. „Aber auch damit verkraften wir keine 4000 zusätzlichen Arbeitslosen.“ Zumal es bei dieser Zahl nicht bleiben wird: Auch viele Zulieferer und Dienstleister von Quelle sind betroffen. Der Verdi-Handelsexperte Johann Rösch beziffert ihre Zahl allein in Bayern am Mittwoch mit rund 700.

Das Land Bayern hat bereits ein Strukturprogramm für die Region angekündigt, noch am Mittwoch sollten Gespräche zwischen den Stadtoberhäuptern und der Regierung stattfinden. „Das ist aber nichts, was kurzfristig Arbeitsplätze schaffen hilft“, sagt Maly.

Etwas Optimismus versucht der Chef der bayerischen Arbeitsagentur, Rainer Bomba, zu verbreiten: In der Region gebe es immerhin auch 10 000 offene Stellen. Ein Teil der Betroffenen könne vielleicht bald vermittelt werden. „Viele werden aber erst einmal in die Arbeitslosigkeit gehen“, schränkt Bomba ein. „Bei manchen wird der Weg sehr lang werden.“

Eines lässt dennoch hoffen: Anders als bei AEG und Grundig, bei denen viele an- und ungelernte Arbeitskräfte beschäftigt waren, ist ein Großteil der Quelle-Mitarbeiter nach Auskunft von Gewerkschafter Rösch ausgebildete Fachkräfte. Die meisten seien in der Verwaltung beschäftigt, nur bei etwa 450 der Nürnberger Betroffenen handele es sich um ungelernte Arbeitskräfte aus dem Logistikbereich.

Das hohe Ausbildungsniveau der Quelle-Mitarbeiter wird die Region nach Ansicht von Volkswirt Holger Schäfer davor bewahren, einen so langfristigen Dämpfer verkraften zu müssen wie beispielsweise Bremen als Folge des Werftensterbens. „Die Leute sind mit ihren Ausbildungen universell einsetzbar“, meint Schäfer, der als Arbeitsmarktexperte beim arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft arbeitet. Deshalb sei auf längere Sicht kein Abstieg der nordbayerischen Metropolregion zu befürchten. Der Volkswirt rechnet mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um zehn Prozent und progonostiziert: „Das wird Nürnberg ganz gut verkraften.“

Die Bundesagentur für Arbeit unternimmt eine beispiellose Anstrengung, um der Region bei diesem Kraftakt zu helfen. Die Behörde stellte einen Notfallplan auf und bildete eine eigene „Task Force“ mit bis zu 100 Mitarbeitern, die aus ganz Bayern nach Nürnberg geholt werden. Direkt bei Quelle wird eine Außenstelle der Arbeitsagentur eingerichtet, die am kommenden Montag die Arbeit aufnehmen wird. Dort sollen die Quelle-Beschäftigten „in ihrer angestammten Umgebung“ betreut werden. „Sie sollen nicht in langen Schlangen beim Arbeitsamt stehen müssen“, sagt Behördenchef Bomba.

von Andreas Zimniok und Stephan Maurer

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