Querelen bei Müller-Brot: Droht eine feindliche Übernahme?

- Neufahrn - Das ehrenwerte Bäckerhandwerk ist in die Schlagzeilen geraten. Der Neufahrner Backriese Müller-Brot ist mit Entlassungen, möglichen Verstrickungen und jetzt auch Fehden auf Managerebene seit Monaten in aller Munde. Ein dicker Sauerteig also, der da von Vorstandschef Klaus Ostendorf, Finanzvorstand Wolfram Olschowy und Gründer Hans Müller zusammengeknetet wurde. Seit gestern schießen wilde Spekulationen ins Kraut.

<P>Den Stein ins Rollen brachte Anfang November die Nachricht, Müller-Brot werde zum Jahresende 350 Mitarbeiter entlassen und drei Standorte in Bayern (Obertraubling, Landau und Augsburg) schließen. Olschowy schob die Schuld der Kamps AG, einem Teil des Barilla-Konzerns, zu. Die Düsseldorfer Großbäckerei habe völlig überraschend einen Vertrag mit Müller über die Belieferung diverser Kunden in Bayern gekündigt. Für Olschowy ein "Vertragsbruch", gegen den man vorgehen werde. <BR><BR>Kamps holte zum Gegenschlag aus: Freilich habe man die Liefertouren gekündigt, die aber seien mit 35 Mann bestritten worden. Für die Entlassungen sei also die wirtschaftliche Misere bei Müller-Brot verantwortlich.<BR>Gewürzt wurde die pikante Angelegenheit durch die Tatsache, dass sich der Müller-Sanierer Ostendorf vier Monate vorher in den Müller-Konzern eingekauft hatte, nachdem er zuvor als Vorstandsmitglied bei Kamps seine Bäckermütze genommen hatte. Kein Wunder, dass das Wort von "alten Animositäten" die Runde machte.<BR><BR>Schon zu dieser Zeit scheint es auch in der Vorstandsetage bei Müller-Brot gekracht zu haben. Konzern-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Hans Müller dementierte im November noch vehement, man habe ihm nahegelegt, sein Büro zu räumen. Das sei "Larifari", sein Vertrauen in Familienfreund Ostendorf sei im Übrigen ungebrochen, "alles läuft ganz normal weiter", Ostendorf bleibe an Bord - alles also Friede, Freude, Eierkuchen.<BR><BR>Ein paar Wochen später hört sich das ganz anders an: Die Hauptversammlung des Backriesen hat Vorstandschef Ostendorf das Vertrauen entzogen. Gestern sollte der Aufsichtsrat mit seinem Vorsitzenden Hans Müller entscheiden, ob er sich dem Votum anschließt und Ostendorf in die Wüste schickt. Vorstandschef Ostendorf schoss zurück: Es habe gar keine "wirksame Hauptversammlung" gegeben, Müller sei seiner Einschätzung nach auch gar nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns. <BR><BR>Trotzdem: Sicher ist sicher, dachte sich Ostendorf und erwirkte beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen die geplante Aufsichtsratssitzung. Die Familie Müller war darüber nicht sauer, werde doch nun in den nächsten Tagen im Rahmen eines Hauptsacheverfahrens geklärt, ob die Aufsichtsratssitzung stattfinden könne. Und auch über die Besetzung des Aufsichtsrates wird dann entschieden. <BR><BR>Denn die genauen Besitzverhältnisse an Müller-Brot zwischen Ostendorf und der Familie Müller sind strittig. Ostendorf sieht sich als Mehrheitsgesellschafter. Umso erstaunlicher die von ihm gestern gegenüber der "Lebensmittelzeitung" angestellte Spekulation, Müller-Brot könne der Kamps AG zum Opfer fallen. "Kamps plant die feindliche Übernahme", vermutet der (Noch-)Müller-Mann, der bis vor einigen Monaten noch ein Kamps-Mann war. <BR></P>

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