Rabatte bis 70 Prozent keine Seltenheit

- München - Der Winterschlussverkauf war tot. Es lebe der WSV. Seit der Liberalisierung der Rabattverordnung 2002 und der jüngsten Novellierung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) 2004 müssen sich Einzelhändler nicht mehr an festgelegte Zeiten für Sonderaktionen halten, sondern können das ganze Jahr über ihre Ware verbilligt feilbieten. Nun allerdings organisiert der Verband des Deutschen Einzelhandels vom 23. Januar bis in die erste Februarwoche einen bundesweit koordinierten WSV.

Und das, obwohl "es derzeit bereits große Preisoffensiven gibt", betont Georg Hiltner, Geschäftsführer des Handelsverbandes BAG Bayern. Für ihn ist der WSV ein "historisches Relikt"; denn die Prozentzeichen prangen bereits seit den Weihnachts-Feiertagen an den Ladentüren. Das Feld der Rabatte, bereits in diesen Tagen wird es fleißig abgegrast.

Jene vereinzelten Initiativen betrachtet Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels, als "Eigentor", die die Schlagkraft des Schlussverkaufes schmälern. Dennoch hofft er auf satten Umsatz. "Wir wollen den Schwung des Weihnachtsgeschäftes mit ins neue Jahr nehmen." Insbesondere Kunden, die aus dem Umland kommen, können so gezielt beim Münchner Schlussverkauf (MSV), an dem sich gut drei Viertel der Geschäftsleute beteiligen, nach Schnäppchen suchen - von Kleidung über Autoteile bis hin zu Sportartikeln und elektronischen Geräten.

"70-prozentige Rabatte werden keine Seltenheit sein", prophezeit Ohlmann. Seinen Wunsch nach dem großen Geschäft trübt nur eines: die 42. Münchner Sicherheitskonferenz, die am ersten Februar-Wochenende im "Bayerischen Hof" stattfindet. Er befürchtet, dass viele Kunden wegen des hohen Polizeiaufgebots in der Innenstadt vor einem Bummel zurückschrecken. "Wir erwarten Einbußen zwischen zehn bis 20 Prozent."

Und doch ist Ohlmann überzeugt, dass der Winterschlussverkauf, er nennt ihn "die Mutter aller Rabattaktionen", derzeit sehr lebendig ist. Das gute Weihnachtsgeschäft - bundesweit wurde ein Umsatz von 68 Milliarden Euro erzielt - soll er nun noch einmal toppen. Außerdem brauchen die Einzelhändler Platz in ihren Lagern. Das Geschäft mit dem Frühling steht vor der Tür.

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