Rabattschlacht: Schnäppchen-Zeit für Autokäufer

München - Autohändler in Deutschland locken derzeit mit Rekord-Rabatten. Der Kunde hat im Autohaus leichtes Spiel und kann bei manchen Modellen mit Preisnachlässen von bis zu 8000 Euro rechnen.

Ob VW, Opel oder Peugeot - die Massenhersteller wollen den schwächelnden Markt mit Sonderaktionen ankurbeln. Die Lage der Branche ist ernst: Der Autoabsatz war im ersten Halbjahr mit 1,58 Millionen Autos so schwach wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Die Klimadebatte, hohe Benzinpreise und die Mehrwertsteuererhöhung haben Hersteller und Autohäuser in die Misere gebracht. Experten rechnen bereits mit einem Händlersterben.

Den Nutzen haben die Konsumenten. "In der Kompakt- oder Golfklasse ist die ,Subventionitis' wegen des harten Wettbewerbs besonders stark", sagt Autoexperte Hans-Joachim Frank von der Deutschen Bank. "Spitzenrabatte gibt es bei einigen französischen Modellen, die sich als Ladenhüter herausgestellt haben." So verkaufe Citroën den Berlingo fast ein Drittel unter dem Listenpreis. Premiumhersteller wie Porsche oder Mercedes setzten dagegen auf Image und Sonderausstattungen.

Neu ist, dass die Rabatte fast US-Niveau erreicht haben. Rund 12 Prozent Nachlass sind laut Studien im Schnitt auf Neuwagen zu haben. Rechnet man nur die rabattierten Autos zusammen, kommt man auf etwa 17 Prozent Rabatt. Kostspielige Aktionen sind zudem nicht mehr auf die verkaufsstarken Monate im Frühjahr oder Herbst begrenzt, sondern auch jetzt zur Sommerzeit an der Tagesordnung. Das Spektrum reicht von Leasing ohne Leasing-Rate, Servicepaketen inklusive Inspektion und Versicherung bis zu Angeboten mit dem neuen Verkaufsargument Umweltschutz.

So bietet Opel bei der Aktion "Opel macht Deutschlands Straßen sauberer" für das Altauto des Kunden einen Umweltbonus und eine Entsorgungsprämie von je 1000 Euro an. Auch Konkurrent VW greift den Umweltschutz auf und hat unter dem Motto "Sauber und Sorglos" ein Paket mit Anschlussgarantie, Versicherung, Inspektionen und Gebrauchtwagen-Eintauschprämie bis zu 3500 Euro im Angebot.

Der französische Hersteller Peugeot setzt auf ein "Rundum glücklich Paket" mit Versicherung und Inspektionen ebenso wie Ford mit der "Flatrate". Der Kleinwagenhersteller Chevrolet rüstet Neufahrzeuge kostenlos auf Autogas um. Der japanische Hersteller Toyota hat besonders günstige Finanzierungen im Angebot.

Der Kampf um die Kunden gilt als besonderes Phänomen des deutschen Marktes. Experten sprechen bereits von einem "Käuferstreik" der Privatkunden. Ihr Anteil an den Neuwagenkäufen sank Ende Juni auf das Rekordtief von 37 Prozent - vor einem Jahr waren es noch 47 Prozent. Als Gründe gelten unter anderem die höhere Mehrwertsteuer vom Jahresbeginn, die ein Auto um rund 700 Euro verteuert hat, sowie zu hohe Preise für die immer aufwendiger ausgestatteten Neuwagen.

Hauptbremsfaktoren sind aber die Klimadebatte und der Umweltschutz, den viele Hersteller lange vernachlässigt haben. Jetzt leidet die Branche unter der Debatte um Kfz-Steuer, Fahrverbote und Plaketten. "Den Verbrauchern sind Autos nicht nur zu teuer, sondern sie haben das Vertrauen in die Politik verloren, dass sie ihr Auto auch noch in fünf Jahren benutzen können", sagt Christoph Stürmer vom Institut Global Insight. Der Wiederverkauf von Autos sei sehr schwierig geworden, vor allem die Preise für Dieselautos ohne Rußpartikelfilter seien im Keller. Da fahren viele Verbraucher lieber ihren alten Wagen weiter, der zudem immer länger hält. Im Schnitt ist ein Auto auf deutschen Straßen mehr als acht Jahre alt.

"Die Transparenz über heutige und zukünftige Auflagen ist für den Käufer nicht mehr vorhanden. Damit spielt die Politik dem deutschen Automarkt übel mit", kritisiert auch Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Der Verband der Automobilindustrie fordert "stabile und berechenbare Rahmenbedingungen". Rabatte helfen da nach Expertenansicht nicht weiter. "Die Hersteller sollten stattdessen die Steuern übernehmen, egal wie hoch sie sind, und das Auto im Lauf der Jahre kostenlos nachrüsten", fordert Stürmer.

Was für die Kunden von Vorteil ist, hat sich für die Händler längst zu einem ruinösen Wettbewerb entwickelt. "Wenn sich die Ertragslage nicht radikal verbessert in diesem Jahr, dann werden viele Händler in ernste Schwierigkeiten geraten", sagt der Präsident des Händlerverbandes ZDK, Robert Rademacher und fürchtet eine Insolvenzwelle schon im Jahr 2008. Die Branche hofft nun auf Impulse von der größten Automesse der Welt, der IAA im September in Frankfurt.

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