Rätsel um Brösel-Scheine ungelöst

- München -­ Die Polizei macht Geldfälschern zunehmend das Leben schwer. Weil die Ermittler im vergangenen Jahr europaweit mehreren Banden das Handwerk legten, ging die Zahl der aus dem Verkehr gezogenen Euro-Blüten im vergangenen Jahr deutlich zurück. Noch immer nicht geklärt ist allerdings, warum in Deutschland seit Sommer wöchentlich an die 150 Geldscheine einfach zerfallen.

Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt sank die Zahl des entdeckten Falschgelds in Europa von 579 000 auf 565 000 Scheine. Das entspricht einem Minus von rund 5,5 Prozent. Die EZB machte für den Rückgang Ermittlungserfolge der internationalen Polizei verantwortlich, die in Litauen, Polen, Bulgarien und Italien Fälscherwerkstätten aushob und Verteilringe zerschlug. Auch Präventionsmaßnahmen der europäischen Nationalbanken hätten sich positiv ausgewirkt. So vermittelt etwa die Bundesbank Mitarbeitern des Einzelhandels in kostenlosen Seminaren, wie Blüten zu erkennen sind.

"Die Wahrscheinlichkeit, eine gefälschte Banknote in den Händen zu halten, ist für den Bürger auf der Straße sehr gering", erklärte ein Sprecher der Bundesbank. Gemessen an 10,6 Milliarden Euro-Banknoten, die im Umlauf sind, kommen auf 100 000 Scheine sechs Fälschungen. Dabei hat sich der Anteil der Blüten vor allem in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich reduziert: Laut Bundesbank zog die deutsche Polizei 2006 rund 46 000 falsche Scheine aus dem Verkehr. Das waren 28 000 und damit rund 38 Prozent weniger als 2005. Bei den Münzen gab es allerdings eine ähnlich krasse Entwicklung in die andere Richtung: Die Zahl der falschen Münzen erreichte hierzulande mit 77 000 Stück ein Rekordniveau gegenüber 46 000 im Vorjahr.

Muse der Geldschein-Nachmacher blieb wie schon in den Vorjahren die 20-Euro-Note. Von ihr wurden europaweit über 200 000 kopierte Exemplare registriert. In Deutschland tauchte der falsche 50er von allen Stückelungen mit 22 759 Scheinen am häufigsten auf. Einen deutlichen Anstieg verzeichneten die Fahnder bei den 100-Euro-Blüten. "Die Fälscher versuchen, auf neue Werte auszuweichen", heißt es bei der Bundesbank.

Weiterhin keine Erklärung können die deutschen Notenbanker für die seit Juni 2006 immer wieder auftauchenden Brösel-Scheine \x0fbieten (wir berichteten). Wie eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte, reichen Bürger bundesweit noch immer jede Woche bis zu 150 zerfallene Geldscheine ein. Die Noten stammen meist aus Geldautomaten und lösen sich kurz nach der ersten Berührung zum Teil auf, weil sie mit Sulfatsalz präpariert sind.

Nach Auskunft des für den Fall zuständigen Landeskriminalamts Berlin ist noch immer unklar, wie die Chemikalie auf die Scheine kommt. Die Ermittler schließen weder einen technischen Defekt an den Automaten noch einen kriminellen Hintergrund aus. "Wir ermitteln in alle Richtungen", erklärte ein Sprecher auf Nachfrage.

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