Rätselhafte Datenbank: Das wissen Versicherer über ihre Kunden

- Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Versicherungen Angaben über teure Kunden sammeln. Auf einer "schwarzen Liste" soll landen, wer zu oft Pech hatte mit Wasserrohrbruch, Einbruch oder Sturmschaden. Richtig ist, dass ein Informationsprogramm der Versicherer existiert. Bei Verdacht können Daten ausgetauscht werden, um Betrug auf die Spur zu kommen. Solange die Datenschutzbestimmungen eingehalten werden, können hier aber auch Verbraucherschützer keinen Nachteil sehen.

<P class=MsoNormal>Das Programm, in das Verdachtsfälle eingespeist werden, heißt "Uniwagnis" und befindet sich beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. "Namen und andere persönliche Daten in dem System sind aber codiert", sagt Stephan Schweda, Sprecher des GDV. Für alle Versicherungssparten sind laut GDV derzeit mehr als drei Millionen Datensätze gespeichert.</P><P class=MsoNormal>In der Regel ist zur Nutzung der Datei erst einmal ein Fall nötig: "Ein vermeintlicher Unfall beim Holzhacken kann zum Beispiel auch eine Selbstverletzung sein", sagt Schweda. Deshalb überprüfe ein Gutachter, ob drei abgetrennte Fingerkuppen tatsächlich einem einzigen Hieb zum Opfer gefallen sein können. "Vielleicht hat der Betroffene auch erst vor kurzer Zeit eine Versicherung abgeschlossen oder gleich mehrere Verträge." Für Auffälligkeiten werden Punkte vergeben. "Ist der Punkte-Schwellwert für die betreffende Versicherungssparte erreicht, wird der Fall in ,Uniwagnis eingegeben."</P><P class=MsoNormal>In dem System werden die codierten Namen abgeglichen. "Wenn sich eine Übereinstimmung findet, tauschen die betroffenen Versicherungen die Daten direkt aus", erklärt Schweda. Erhärtet sich der Verdacht, wird weiter ermittelt. Dieses Prinzip sorgt dafür, dass in "Uniwagnis" keine "zentrale Warndatei" der Versicherungswirtschaft gesehen werden kann. Zu diesem Schluss kommt der Hamburgische Datenschutzbeauftragte in seinem Tätigkeitsbericht vom Februar 2004.</P><P class=MsoNormal>Je "anfälliger" die jeweilige Versicherungssparte ist, desto vorsichtiger sind die Unternehmen: So werden die Eckdaten eines gemeldeten Autodiebstahls laut GDV-Sprecher Schweda immer in die Datei eingegeben. Vorerkrankungen des Kunden, wichtig zum Beispiel für die Berufsunfähigkeitsversicherer, werden ebenfalls gespeichert. Auch bei Rechtsschutzversicherungen gucken die Anbieter genauer hin.</P><P class=MsoNormal>Hier hat das Verhalten des Versicherten vertraglich klar geregelte Folgen: "Bei zwei Versicherungsfällen innerhalb von zwölf Monaten ergibt sich für die Versicherung ein außerordentliches Kündigungsrecht", sagt Stephanie Pallasch, Finanzexpertin der Stiftung Warentest. In der jüngeren Vergangenheit mehrten sich solche Fälle, in denen Versicherungen versuchten, diese "Prozesshansel" loszuwerden. "Wem einmal so gekündigt wurde, der hat kaum eine Chance auf eine neue Rechtsschutzversicherung bei einem anderen Anbieter." Das sei im Einzelfall nicht schön, aber rechtlich unbedenklich. </P><P class=MsoNormal>Genauso sieht es auch Edda Castelló´ von der Verbraucherzentrale Hamburg: "Die Rechtsschutzversicherung sichert kein existenzbedrohliches Risiko ab und gehört eher zu den unnützen Policen." So lange die Belange des Datenschutzes erfüllt seien, könne sie es den Versicherungen auch nicht übel nehmen, wenn die aufmerksam auf ihre Kunden schauen.</P><P class=MsoNormal>Einen gläsernen Kunden, bei dem sämtliche Versicherungsfälle offen liegen, gebe es gerade nicht, betont GDV-Sprecher Schweda. "Weil niemand nach Namen suchen kann, kann sich auch keine Versicherung so einen Überblick verschaffen." Außerdem kalkulierten auch die Versicherer den Zufall ein: "Natürlich kann es sein, dass jemand nach 20 problemlosen Jahren in der Hausratversicherung plötzlich innerhalb von wenigen Monaten mehrere Fälle einreicht." Aus diesem Pech werde ihm keine Versicherung einen Strick drehen.</P><P class=MsoNormal>Ewig erfasst bleibt sogar der Verdächtige nicht: Die Daten eines zweifelhaften Falles werden nach fünf Jahren wieder gelöscht. Nur Hinweise für die Berufsunfähigkeitsversicherung werden erst nach zehn Jahren getilgt. Der Betroffene bekommt davon übrigens überhaupt nichts mit: Ein Anrecht auf Einsicht in die Datei haben Versicherte Schweda zufolge nicht. Das würde auch nichts nützen: Denn unter dem "Klarnamen" sei in der Datei kein Fall zu finden. </P>

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