Woher kommen die Lebensmittel?

Rätselraten im Supermarkt

München - Produktinformationen auf Lebensmitteln lassen viele Verbraucher ratlos zurück: Drei von vier Kunden finden es schwierig, die Qualität von Lebensmitteln anhand der Angaben auf den Packungen richtig einzuschätzen. Wir erklären, woran man sich orientieren kann.

69 Prozent der Kunden wünschen sich mehr Informationen über die Produkte direkt auf den Etiketten, neun von zehn möchten auch über die Herkunft der wichtigsten Zutaten Bescheid wissen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die die Verbraucherorganisation Foodwatch jetzt vorgestellt hat. Diese Angabe fehlt aber derzeit auf vielen Produkten, weil sie nicht vorgeschrieben ist. Außerdem finden vier von zehn Kunden die in Prozent angegebenen Nährwertangaben nach wie vor unverständlich. Und auch die vorhandene Information ist nicht immer entzifferbar: Zwei Drittel der Befragten gaben an, sich schon über zu winzige Schrift geärgert zu haben.

Wer sich genau über die Herkunft eines Lebensmittels informieren will, darf nicht nur kurz auf die Verpackung schauen. Er muss recherchieren. Wenn überhaupt, geben oft nur Codes Hinweise auf das Herkunftsland und den Betrieb. Verbraucher können sich zunächst an Angaben auf der Verpackung halten – die aber meist nicht alles verraten. Das Portal lebensmittelklarheit.de der Verbraucherzentralen listet Beispiele auf:

Eier

Eier müssen mit einem zehnstelligen Code aus Zahlen und Buchstaben gekennzeichnet werden – und zwar auf dem Produkt und dem Karton. Die erste Ziffer des Codes beschreibt, wie die Henne gehalten wird. 0 steht für ökologische Erzeugung, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung. Danach kommen zwei Buchstaben für das Herkunftsland. Beispielsweise steht DE für Deutschland, AT für Österreich, NL für Niederlande, BE für Belgien. Die folgende siebenstellige Nummer ist die Nummer des Bundeslandes (09 steht für Bayern), des Legebetriebs und des Stalls.

Obst und Gemüse

Bei vielen frischen Obst- und Gemüsearten muss das Ursprungsland genannt werden – ausgenommen sind etwa Früh- und Speisekartoffeln, frische Bananen, Oliven, Zuckermais und Datteln.

Geografische Angabe

Trägt ein Produkt wie der Schwarzwälder Schinken das Siegel „geschützte geografische Angabe“, heißt das nicht, dass auch die Schweine dafür aus dem Schwarzwald stammen. Entsprechend strenge Regeln gelten nur bei dem Logo „geschützte Ursprungsbezeichnung“. Hier muss das Produkt in einem genau festgelegten Gebiet nach bestimmten Kriterien erzeugt, verarbeitet und hergestellt werden. Den Aufdruck trägt etwa die Verpackung von Parmaschinken, Allgäuer Emmentaler, Allgäuer Bergkäse, griechischer Feta und etliche mehr.

Regionale Ware

Orientierung bei regionalen Waren gibt das blaue „Regionalfenster“, das erst Anfang 2014 eingeführt wurde. Es zeigt an, woher die Hauptzutat eines Produktes stammt, wo es verarbeitet wurde und wie hoch der Gesamtanteil der regionalen Zutaten ist. Die Nutzung des Logos ist für Hersteller und Handel allerdings freiwillig.

Codes für Tierisches

Wo Lebensmittel mit tierischen Produkten aus Fleisch, Milch, Ei und Fisch produziert und verpackt wurden, geben Identitätskennzeichen auf der Verpackung an. Der Code oben in dem ovalen Zeichen informiert über das Herkunftsland. DE steht für Deutschland. Links in der Mitte ist das Bundesland vermerkt, rechts die Zulassungsnummer des Werkes. Die Codes lassen sich über die Internetseite des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit entschlüsseln.

Fleisch

Wer beispielsweise wissen will, wo das Fleisch für den Schweinsbraten herkommt, kann derzeit nur beim „Metzger seines Vertrauens“ nachfragen. Erst ab April 2015 ist die Kennzeichnung für unverarbeitetes Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch an der Theke oder im Selbstbedienungsbereich verpflichtend. Der Kunde wird dann über den Aufzuchts- und Schlachtort des Tieres informiert.

Bei frischem Kalb- und Rindfleisch müssen die Verbraucher schon jetzt über die Herkunft informiert werden. Das entfällt aber, wenn das Fleisch verarbeitet wurde – also schon, wenn etwa nur Salz hinzugegeben wurde.

Beim Rindfleischeinkauf stehen auf dem Etikett oder auf einem Schild an der Bedientheke Informationen darüber, wo das Rind geboren, gemästet und geschlachtet worden ist. Erfolgten alle drei Schritte in einem Land, kann vereinfacht „Herkunft: …“ angegeben werden. Wird Rindfleisch zu Hackfleisch verarbeitet, muss die Rindfleisch-Etikettierung erst ab einem mehr als 50-prozentigen Rindfleisch-Anteil erfolgen.

Auch bei dem Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“ wird garantiert, dass Geburt, Aufzucht und Schlachtung in Bayern erfolgte. Das sogenannte Regionalfenster ist ebenfalls verlässlich. Hier müssen die Tiere nur nicht in Bayern geboren sein. Zudem gibt es mittlerweile einige Regionalinitiativen, die Fleisch aus einem bestimmten Umkreis vermarkten.

Detaillierte Informationen sind gut im Internet beispielsweise unter www.regionales-bayern.de nachzulesen. Bei Geflügelfleisch wird die Angabe des Ursprungslandes nur vorgeschrieben, wenn es aus Nicht-EU-Staaten stammt.

Die Deutsche Geflügelwirtschaft und die Orgainvent GmbH nutzen ihr freiwilliges, unabhängiges Herkunftssicherungssystem D/D/D. Es soll garantieren, dass Geburt, Mast und Schlachtung des Geflügels in Deutschland stattgefunden haben. Zwei weitere „D“ stehen für die deutsche Herkunft der Elterntiere und für den heimischen Standort der Futtermühle.

Woher allerdings das Fleisch für Lasagne oder Tortellini, gewürzte Steaks oder für einen ganz gewöhnlichen Schinken stammt, können Verbraucher in den meisten Fällen nicht erkennen. Eine verpflichtende europäische Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Fleischwaren fehlt auch nach dem Pferdefleischskandal noch. Der Wunsch der Verbraucher nach mehr Transparenz wurde bislang in den EU-Entscheidungen nicht berücksichtigt. Wo es bei der Herkunftskennzeichnung hapert, zeigt die interaktive Website www.whereismymeatfrom.eu/de. Wer sich da beteiligt, kann den europäischen Politikern signalisieren, wie wichtig ihm das Thema ist. Auch die Verbraucherzentralen unterstützen die europaweite Kampagne zur besseren Herkunftskennzeichnung von Fleisch.

von Heidrun Schubert

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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