Räuberischer Bankeinzug: Betrüger greifen auf Konten zu

- München - Das Weihnachtsgeschäft brummt, die Kunden zahlen in vielen Geschäften mit ihrer EC-Karte und manch einer überprüft erst jetzt nach den Feiertagen seine Kontoauszüge - böse Überraschung. Plötzlich werden 39 Euro von einer Firma abgebucht, der man gar keine Einzugsermächtigung erteilt hat. Tausende von Bankkunden vor allem in Baden-Württemberg und Bayern wurden auf diese Weise von Betrügern geprellt. Inzwischen ermittelt das Bayerische Landeskriminalamt.

Dem LKA sind allein in Bayern rund 600 Fälle bekannt, darunter in Passau und Penzberg. Nach Angaben des LKA handele es sich bei den Betrügern um mehrere Tippgemeinschaften. An die Namen und Kontoverbindungen der Geprellten kamen die Firmen vermutlich über eine frühere Teilnahme an verschiedenen Tippsystemen, bei denen man seine Bankverbindung angeben musste.

Anfang Dezember richteten die Betrüger bei der Postbank in Saarbrücken mehrere Konten ein. Und eben auf diesen häuften sich die 39-Euro-Beträge. Insgesamt 370 000 Lastschriften seien nach Auskunft des LKA dort bereits eingegangen. "Wir hatten keine Hinweise darauf, die Lottogesellschaften von dem Lastschriftverfahren auszuschließen", sagt Iris Laduch, Sprecherin der Postbank.

Normalerweise werde jedes Unternehmen, das an einem solchen Verfahren teilnehmen möchte, "auf Herz und Nieren" von der Bank geprüft. Das geschah auch bei besagten Firmen. Untersucht werden unter anderem die Geschäftsberichte des Unternehmens, aber auch deren Bonität, die Kreditwürdigkeit und ob sie bereits einen Schufa-Eintrag haben. Bevor jedoch eine Lastschrift von der Bank abgebucht wird, muss zudem klar sein, dass der Kontoinhaber eine Einzugsermächtigung erteilt hatte und eine offene Forderung vorliegt. Die Lottogesellschaften erfüllten die Anforderungen der Postbank - und haben auf diese Weise Tausende von Bürgern betrogen.

Die Postbank ihrerseits habe inzwischen Strafanzeige erstattet und die betreffenden Konten gesperrt, teilte Laduch mit. Ob allerdings wirklich alle 370 000 Einzüge illegal vorgenommen wurden, muss erst noch vom LKA geprüft werden, sagte LKA-Sprecher Ludwig Waldinger.

Bis zu diesem Vorfall habe sich das "Lastschriftverfahren millionenfach täglich bewährt", erklärt Laduch. Vor allem, weil es für die Bankkunden kein Risiko berge. Innerhalb von sechs Wochen kann das Geld ohne Wenn und Aber zurückgefordert werden. "Dem Kunden entsteht kein Schaden." Einen möglichen Schaden trägt die Bank.

Und doch kalkulierten die Betrüger offensichtlich damit, dass 39 Euro auf dem Kontoauszug nicht auffallen. Gerade in der Weihnachtszeit, wo viele Dinge mit EC-Karte bezahlt werden. "Das ist sehr heimtückisch", meint Melanie Schmergal, Sprecherin des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Auch deren Kunden waren teilweise betroffen.

Deshalb plädiert Hans Schmid vom Bayerischen Sparkassenverband für ein geheimzahlgeschütztes Bezahlverfahren. Denn eine PIN-Eingabe sei der sicherste Weg. Und natürlich der, seine Kontoauszüge regelmäßig zu kontrollieren.

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