SAP räumt 'unangemessene Downloads' von Oracle-Daten ein

Walldorf - Europas größter Softwarehersteller SAP hat "unangemessene Downloads" auf Webseiten des Erzrivalen Oracle eingeräumt. Die SAP-Tochter TomorrowNow habe Wartungsdokumente von Oracle in "unangemessener Weise" heruntergeladen.

Die Muttergesellschaft habe aber keinen Zugriff auf diese Downloads gehabt und damit auch keinen Diebstahl geistigen Eigentums begangen, teilte SAP am Dienstag in einer ersten Erwiderung auf die Oracle-Klage mit. Die Industriespionagevorwürfe des US-Konzerns wies Vorstandschef Henning Kagermann vehement zurück. Am 4. September werden die weiteren Schritte in dem Verfahren vor Gericht besprochen.

"Für mich ist selbst ein einziger unangemessener Download inakzeptabel und wir bedauern diesen Vorfall sehr", sagte SAP-Chef Henning Kagermann. SAP bekräftigte die Einhaltung von Kundenverträgen bei TomorrowNow. Um bei TomorrowNow, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft, angemessene Geschäftspraktiken zu garantieren, ernannte SAP Mark White zum Executive Chairman. Er werde das Geschäft von TomorrowNow einschließlich entsprechender Compliance-Programme leiten.

Die SAP-Aktie begann den Handel um 49 Cent niedriger bei 37,50 Euro, erholte sich aber im frühen Handel auf 37,65 Euro. "Es ist schon ein kleiner Schock, dass wirklich Downloads stattgefunden haben", sagte ein Händler. Nun sei ein materieller Schaden wahrscheinlich. Dieser dürfte allerdings nicht sehr hoch ausfallen, da der Fehler durch die Tochter TomorrowNow begangen wurde und diese nur einen Umsatz von 50 Millionen Euro im vergangenen Jahr erwirtschaftet habe. Welche Rückstellungen SAP bildet, will Kagermann erst bei Vorlage der Geschäftszahlen für das zweite Quartal bekannt geben.

TomorrowNow bietet Support für Software-Anwendungen von J.D. Edwards, Siebel, PeopleSoft und Baan und lädt im Auftrag von Oracle-Kunden häufig Wartungsmaterial von der Oracle-Website herunter. Kunden erlauben es Drittanbietern wie TomorrowNow, mit Hilfe des Kunden-Passwortes auf Wartungsmaterial zuzugreifen, um so Wartung und Service für die Oracle-Applikationen beim Kunden leisten zu können.

Oracle hatte die Klage gegen SAP wegen Diebstahls geistigen Eigentums Ende März bei einem Bezirksgericht in San Francisco eingereicht und später um eine Urheberrechtsklage ergänzt. Der deutsche Weltmarktführer für Unternehmenssoftware soll sich danach wiederholt unerlaubt Zugang zu einer Kundenbetreuungs-Website verschafft und von dort tausende Softwareprodukte sowie anderes vertrauliches Material heruntergeladen haben.

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