Rampls große Werbetour

- München - Dieter Rampl hat drei Wochen Knochenarbeit hinter sich: Zusammen mit seinem neuen Partner, dem Chef des Unicredito, Alessandro Profumo, war der Chef der HypoVereinsbank kreuz und quer in Europa unterwegs und hat die Werbetrommel gerührt für die anstehende Fusion der bayerischen mit der italienischen Bank. Zu Beginn der Roadshow hatte Rampl noch den einen oder anderen Zweifel, wie seine Botschaft bei den mächtigen internationalen Fondsmanagern ankommen würde. Doch jetzt, wo alles hinter ihm liegt, sprüht der 57-Jährige vor Zuversicht.

Immerhin seien die Aktienkurse beider Banken seit Bekanntgabe der Fusionspläne gestiegen. Damit scheinen die Aktienmärkte der Hochzeit ihren Segen zu geben. Rampls Ziele sind ehrgeizig: Nach verlustträchtigen Jahren will die HypoVereinsbank heuer rund eine Milliarde Euro nach Steuern verdienen: "Da mache ich keine Abstriche.""Wir bleiben eine bayerische Bank."Dieter RamplAuch der Fahrplan für die europäische Bankenfusion steht. Am 27. Juli sollen die Unicredito-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung dem Aktientausch-Angebot zustimmen. Die Umtauschfrist könnte dann bis Spätsommer laufen und die gesamte Fusion Mitte Oktober über die Bühne sein. Nach zwei Jahren soll der Integrationsprozess beider Banken abgeschlossen sein. Rampl erwartet, dass 75 bis 85 Prozent der HypoVereinsbank-Aktionäre das Angebot annehmen. Schließlich winkt den in den vergangenen Jahren nicht gerade verwöhnten Anteilseignern eine Dividende von einem Euro. "So viel hat die HypoVereinsbank noch nie bezahlt", so der HVB-Chef.Dass Unicredito der richtige Partner für die Münchner ist, steht für Rampl auch aus anderen Gründen außer Frage. Wäre die bayerische Bank beispielsweise mit der Commerzbank zusammengegangen, hätten wohl nicht 1800, sondern 10 000 Stellen gestrichen werden müssen, schätzt er. Deshalb stehe auch die Mehrheit der Mitarbeiter hinter den Fusionsplänen. "Bei uns wird schon fleißig Italienisch gelernt, das freut mich", sagt Rampl. In den Filialen wird aber weiterhin deutsch, beziehungsweise bairisch gesprochen. Rampl betont, dass sich für die Kunden nichts ändern wird, räumt allerdings ein, dass eine dreistellige Zahl ihr Konto aufgrund der Fusionspläne gekündigt habe. "Wir bleiben eine bayerische Bank", übt sich Rampl in Überzeugungsarbeit. "Wir bleiben auch mit Sicherheit in der Fläche vertreten."Statt eines Rückzugs stehen die Zeichen sogar eher auf Expansion. So ist die HypoVereinsbank zwar in Bayern mit stolzen 15 Prozent Marktanteil und im Norden Deutschlands stark. Dazwischen klafft jedoch eine Lücke, die mit Unicredito geschlossen werden könnte, deutete Rampl an.Befürchtungen, Kreditentscheidungen könnten künftig in Italien fallen, wies er zurück. "Das ist wie mit uns und der Bank Austria", sagt Rampl. "Wir prüfen auch nicht das österreichische Mittelstandsgeschäft."Dass die Italiener nur an der lukrativen HVB-Tochter Bank Austria interessiert sein könnten, bestreitet Rampl energisch: Wenn Profumo nur die österreichische Bank hätte haben wollen und ein attraktives Angebot gemacht hätte, wäre eine Ablehnung den HypoVereinsbank-Aktionären kaum zu vermitteln gewesen. Der Charme der Fusion liege für beide Partner in den Regionen: Bayern, Norditalien, Österreich und Osteuropa. Ein Handelsvolumen von 350 Milliarden Euro habe diese Kombination aufzubieten.Der HVB-Chef wird nach der Fusion den Verwaltungsratsvorsitz des Unicredito übernehmen. Den Integrationsprozess beider Banken will Dieter Rampl aktiv mitgestalten - und nach diesem Kraftakt in den Ruhestand gehen.

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