Raritäten oder Staubfänger? Was Sammlungen wert sind

- Reichlich bedröppelt lugt Pumuckl unter seinem Schirmchen hervor. Dabei ist der "Regenkobold" aus Plastik, 1985 aus einem Überraschungsei gepellt, viel Geld wert: 775 Euro, so steht es auf www.eierlei.de, einer Internetseite für "Ü-Ei"-Sammler.

Mancher mag sich da fragen: Warum nicht auch Figürchen oder andere begehrte Dinge sammeln und sie im richtigen Moment verkaufen? Weil nicht in jedem Ei ein "Regenkobold" steckt und sich der richtige Moment auch bei anderen guten Stücken schwer vorhersagen lässt, lautet die Antwort.

Davon kann Johann Lorenz aus Hamburg ein Lied singen. Er handelt regelmäßig privat mit CDs und Schallplatten und macht immer wieder gute Geschäfte. "Das Beste werden knapp 100 Euro für eine LP aus den späten Achtzigern gewesen sein. Ich hatte sie lange zuvor für etwa 6 Euro gekauft." Wäre die gleiche Platte wenig später erneut angeboten worden, hätte sie vielleicht aber nur noch die Hälfte eingebracht.

Wer Geld verdienen will, muss sich bestens auskennen

Diese Erfahrung zeigt: Ob sich mit einer Sammlung oder mit Einzelstücken daraus Geld machen lässt, ist kaum zu kalkulieren. Und das gilt längst nicht nur für Tonträger: "Seien es alte Möbel oder auch Kunst, diese Dinge unterliegen schwer zu erklärenden und schwer prognostizierbaren Wertentwicklungen", erläutert Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Das heißt zum einen: Wer mit seiner Sammlung Geld verdienen will, muss sich bestens auskennen. Zum anderen gilt aber auch: "Man kann selbst dann auf die Nase fallen, wenn man profunde Kenntnisse hat", sagt die Verbraucherschützerin.

Oft haben sich die Sammler die Kenntnisse über Jahre angeeignet und kennen die kostbaren Stücke ihres jeweiligen Gebiets genau. "Es sind Werte da und auch bekannt, aber man muss riesiges Glück haben, an sie heranzukommen", sagt Adalbert Wiederholt vom Bund Deutscher Philatelisten. Zudem hat er keine Garantie, das teuer erstandene Stück Gewinn bringend wieder loszuwerden: "Das müssen Sie wahrscheinlich ein paar Jahre horten und dann versuchen, es über eine Auktion zu verkaufen", so Wiederholt.

Eine gesuchte und daher wertvolle CD zu lange im Regal stehen zu lassen, kann laut Johann Lorenz dagegen verhängnisvoll sein: wenn sie zwischenzeitig wieder veröffentlicht wird: "Es gibt CDs, deren Wert deshalb binnen weniger Monate von 500 auf 60 Euro gefallen ist."

Gerade Anfängern droht Reinfall bei Fälschungen

Wo es schon versierte Sammler schwer haben, stehen die Sterne für Einsteiger ganz schlecht. So ist laut Wiederholt etwa eine "geerbte" Briefmarkensammlung meist weniger wert als erhofft. Und manche vermeintliche Rarität entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Fälschung oder mehr oder weniger wertlose Massenware. Manche "Ü-Ei"-Figur etwa ist in Wahrheit ein Windei. Mehrere Hunderttausend gefälschte Figuren seien auf dem Markt zu haben, ist auf www.eierlei.de zu lesen. Und weil die wahren Sammler auch auf Zubehör wie Beipackzettel bestehen, werden diese gleich mit gefälscht.

Noch besser aufpassen müssen Fans von geprägtem Metall: "Gerade im Zusammenhang mit Ereignissen wie der Fußball-WM werden die unterschiedlichsten Münzen und Medaillen angeboten", sagt Uwe Döhler, Finanzexperte bei der Stiftung Warentest. Münzen sind dabei offizielle Zahlungsmittel in speziellen Prägungen, Medaillen darf im Prinzip jeder herausgeben. Vorsicht ist laut Döhler in beiden Fällen geboten. "Denn selbst beim offiziellen Zahlungsmittel ist nicht gesagt, dass der Wert über den aufgeprägten hinaus steigt."

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