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Ein deutsch-ägyptischer Lehrer musste eine Edeka-Filiale in Hannover verlassen. 

Als „verdächtige Person“ eingestuft

Racial Profiling bei Edeka? Lehrer aus Supermarkt geworfen

Ein deutsch-ägyptischer Lehrer wird aus einer Edeka-Filiale geworfen - er habe versucht, andere Kunden zu bestehlen, heißt es. Belege gibt es nicht. Dafür aber einen bösen Verdacht gegen den Supermarkt. 

Hannover - Eigentlich wollte Samuel Thelen* an diesem Tag nur kurz beim Edeka ums Eck einkaufen. Er hätte nie erwartet, dass es für ihn so böse enden würde. Wenn er an den Vorfall denkt, spürt er immer noch ein Gefühl von Wut und Scham, erzählt er der taz. An einem Freitag im März wurde Samuel wohl Opfer einer rassistischen Diskriminierung. Edeka bestreitet das.

Einem aktuellen Bericht der taz zufolge, ereignete sich der Fall in der Edeka-Filiale in der Burgwedeler Straße in Hannover. Samuel Thelen unterrichtet Deutsch und Englisch an einer Gesamtschule im Norden von Hannover. Es war nicht das erste Mal, dass der 27-Jährige in dieser Edeka-Filiale einkaufte. Sein Freund wohnt nämlich nicht weit entfernt.

„Das hat mich ein bisschen nervös gemacht...“

Doch an diesem Tag lief es anders. Als er nach einem Allzweckreiniger suchte, habe er bemerkt, wie ein Mitarbeiter ihm folgte, erzählte Thelen dem Blatt. „Das hat mich ein bisschen nervös gemacht“, sagte der junge Lehrer, der Sohn eines Ägypters und einer Deutschen ist. Obwohl er nichts Falsches oder Verdächtiges gemacht hatte, entschied sich der 27-Jährige, schnell zur Kasse zu gehen. Doch in dem Moment griff der Supermarkt-Angestellte ein. „Im Mittelflur fing mich der Mitarbeiter ab“, erzählt Samuel. Der Mann habe zu ihm gesagt, er soll jetzt besser den Supermarkt verlassen.

Beim Einkauf aus dem Supermarkt geworfen

„Es war zutiefst unangenehm, weil das Gespräch mitten im Supermarkt vor allen Leuten stattfand“, sagt Thelen. Der Mitarbeiter warf ihm vor, ältere Kunden ausspioniert zu haben, um sie zu beklauen. Daraufhin öffnete Samuel seinen Mantel, um zu zeigen, dass er nichts geklaut hatte. Alles umsonst. Er konnte nicht anderes machen, als seinen Korb hinzuwerfen und den Laden zu verlassen.

Doch damit war die Geschichte für Thelen nicht erledigt. Einige Stunden später kam er mit seinem Lebenspartner und dessen Mutter zurück zum Markt, um den Vorfall zu klären. „Es ist verleumderisch, mir zu unterstellen, ich würde alte Leute beklauen“, sagt er. Für einen Lehrer seien solche Vorwürfe doppelt gefährlich. Er ließ sich die Videoaufnahmen des Supermarktes zeigen und stellte nach eigenen Angaben fest, dass da nichts Verdächtiges zu sehen war. 

„Verdächtige Person“

Dann bekam der Lehrer aber eine wichtige Information über seinen Rauswurf. Eine andere Mitarbeiterin hatte ihn offenbar als „verdächtige Person“ gemeldet. Wie Millionen von Männern hat Samuel dunkles Haar und einen dunklen Dreitagebart. 

Die heikle Frage hinter dem Vorfall: Gibt es bei Edeka Profile, nach denen Kunden beurteilt werden? Edeka-Pressesprecherin Alexandra Antonatus weist diese Vorwürfe zurück. „Es war eine falsche Einschätzung eines Kundenverhaltens und somit lag auch kein böser Wille oder eine Absicht vor“, sagte sie der taz. Mittlerweile habe sich Edeka bei Thelen entschuldigt und ihn zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. 

Mehrere Fälle von Racial Profiling in Hannover

Es wäre gleichwohl nicht das erste Mal, dass ein solcher Fall von Racial Profiling in Hannoveraner Läden vorkommt. Unter Racial Profiling versteht man ein auf Stereotypen und ethnischen Kriterien wie Herkunft oder Religion basierende Einstufung von Person als verdächtig. 

Hannovers Stadtsprecherin Michaela Steigerwald sagte der taz, es habe in den vergangenen Jahren mehrere Beschwerden über Racial Profiling durch Sicherheitskräfte in Kaufhäusern und Supermärkten gegeben. Oft können sich Betroffene mit einer Klage wehren und eine Entschädigung bekommen.

Trotz Diskriminierung: Verständnis haben

Thelen weiß noch nicht, ob er klagen will. Zuerst soll sein Gespräch mit Edeka stattfinden. Ihm wurde auch gesagt, er solle für die gesamte Situation „Verständnis haben“, denn bei manchen Kunden müsse man tatsächlich besser aufpassen. Mittlerweile hat Edeka aber die Videoaufnahmen gelöscht, auf denen der Lehrer zu sehen ist - obwohl Thelen darum gebeten hatte, sie zu erhalten.

Immerhin haben sich die Mitarbeiter mehrmals entschuldigt. Sollte das Gespräch mit Edeka aber nicht gut laufen, dann werde er auf jeden Fall „weitere Schritte einleiten“, meint Thelen. 

*Name geändert

Lesen Sie auch: Streit eskaliert: Edeka streicht noch mehr Nestlé-Artikel - Dieses beliebte Produkt betroffen.

fm

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