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Die Artenvielfalt unter Wasser nimmt immer noch ab, warnen Umweltschützer, während die Politik die Bestände teilweise wieder auf gutem Niveau sieht. Im kommenden Jahr dürfen Fischer in der Nordsee wieder 140 Prozent mehr Heringe und 15 Prozent mehr Schollen aus dem Wasser holen.

Ratgeber: So finden Sie den richtigen Fisch

München - Mehr Fisch im Netz – erstmals seit Jahren dürfen Nordseefischer wieder mehr Hering und Scholle fangen. Umweltverbände sind entsetzt. Wir erklären, welche Arten besser nicht auf den Teller sollten und welche guten Gewissens gegessen werden können.

Fisch gehört bei vielen fest zu Weihnachten. Doch immer mehr Arten sind dermaßen bedroht, dass Umweltschützer zum Kauf-Boykott aufrufen. Als „Rückfall in dunkle Zeiten“, bezeichnet Karoline Schacht, Fischereiexpertin der Umweltstiftung WWF, daher die EU-Beschlüsse vom Wochenende. Die Minister einigten sich in Brüssel darauf, dass die Fischer wieder mehr Hering und Scholle aus der Nordsee holen dürfen.

Deutsche Kutter können 140 Prozent mehr Hering einfahren, sagte der deutsche Agrarstaatssekretär Robert Kloos. 2012 werden damit insgesamt rund 405 000 Tonnen Nordsee-Hering gefischt. Auch Scholle und Kabeljau dürfen häufiger gefangen werden. Für die Nordsee-Scholle gab es eine Erhöhung von 15 Prozent, ebenso für arktischen Kabeljau vor der Küste Norwegens. Bereits im Oktober waren die Fangmengen für den Hering in der Ostsee zum ersten Mal seit vier Jahren heraufgesetzt worden. Die Bestände hätten sich erholt, daher stünde einer erhöhten Fangquote nichts entgegen, argumentiert Kloos. Die Minister verfielen einem „riskanten und kurzsichtigen Gewinnstreben“, meint dagegen WWF-Expertin Schacht.

Wer mit gutem Gewissen die Leckerbissen aus den Meeren genießen möchte, sollte auf einige Dinge achten. Denn ganz verzichten muss niemand auf Fisch.

Alle Worte des Jahres seit 1977

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Fisch mit Siegel

Mit nur einem Blick können Verbraucher bereits eine erste Auswahl treffen: „Achten Sie auf Produkte, die das MSC-Siegel tragen“, rät der WWF. Das blaue Logo – ausgegeben vom WWF und dem Lebensmittelkonzern Unilever – wird nur an zertifizierte, umweltverträgliche Fischereien vergeben. Die Buchstaben MSC, die für „Marine Stewardship Council“ stehen, finden sich allerdings nur auf Wildfang. Wer gezüchteten Fisch kaufen möchte, kann sich an die Siegel Bioland oder Naturland sowie das staatliche Bio-Siegel halten.

Diese Logos finden Verbraucher nicht nur auf den Schildern in den Theken mit frischem Fisch, sondern auch auf den Kartons, Plastiktüten und Dosen in den Tiefkühltruhen oder Supermarktregalen. Schließlich essen die wenigsten wirklich frische Ware. Vom Jahresverbrauch, der bei 15,7 Kilo liegt, entfallen nur neun Prozent auf Frischfisch. Jeder vierte verzehrte Fisch stammt dagegen aus der Dose, jeder dritte aus dem Tiefkühler.

Gute Wahl

Egal in welchem Verarbeitungs-Zustand, diese Sorten sind laut Greenpeace ohne Ausnahme eine gute Wahl: Karpfen sowie Regenbogen- oder Bachforelle. Bei Makrele, Zander oder Hering ist das Fanggebiet ausschlaggebend. Laut WWF kann man eine Makrele aus dem Nordatlantik mit gutem Gewissen essen, ebenso einen Hering aus der Ostsee und der keltischen See.

Ein Zander, der zuvor in Gewässern vor Estland, Finnland oder Schweden geschwommen ist, sollte man dagegen „lieber nicht“ auf den Tisch bringen.

Die Unwörter der letzten Jahre

Die Unwörter der vergangenen Jahre

Keine gute Wahl

Sehr viel länger als die Positiv-Liste ist die Aufzählung der Arten, die Verbraucher besser meiden sollten. Dazu zählen: Aal, Dorade, Schillerlocke, Garnelen, tropische Shrimps, Granatbarsch, Haie und Rochen, Rotbarsch, Steinbeißer oder Scholle. Die Sprotte lehnt Greenpeace kategorisch ab, weil die Bestandszustände unklar und schlecht seien, während der WWF Sprotten aus Nord- und Ostsee als gute Wahl einstuft. Einig sind sich die Experten allerdings beim Thunfisch. Hier ist nur die Sorte Skipjack vertretbar – „gefangen mit Handleinen, Fluten und Leinen“, betont Greenpeace.

Die Klassiker

Zu den beliebtesten Fischsorten gehören Kabeljau, Lachs und Alaska-Seelachs – die aber alle nur eingeschränkt zu empfehlen sind. Bei wildem Kabeljau sind die Gebiete Nordost-Arktis, Island, Norwegische See und westliche Ostsee noch vertretbar. Bei wildem Lachs hingegen laut WWF nur der Ostpazifik (USA). Die Fanggebiete vor Schottland, Norwegen und Irland sollte man dagegen meiden. Noch komplizierter wird es bei Alaska-Seelachs. Während Greenpeace diese Sorte wegen der Fangmethoden und -mengen kategorisch ablehnt, befindet der WWF Alaska-Seelachs aus dem Nordwest-Pazifik zwar nicht als „gute“ aber als „zweite Wahl“. Der neue Mode-Fisch Pangasius ist laut Greenpeace „grundsätzlich nicht vertretbar“ – mit Ausnahme von Öko-Aquakulturen aus Vietnam.

Von Stefanie Backs

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