Rating auf dem Prüfstand: Eichel droht ein schlechter Zeugnis-Eintrag

- München - Hans Eichel hatte heiklen Besuch im Land. Die Ratingagentur Fitch schickte ein Expertenteam nach Deutschland, um die Kreditwürdigkeit des Bundes zu prüfen. Die Analysten beschleichen Zweifel, ob ihr Luxus-Urteil "AAA" über die Bundesrepublik angesichts hoher Neuverschuldung und schwacher Wirtschaftsdaten langfristig zu halten ist. Sollten sie von der Einstufung Deutschlands als höchst kreditwürdigem Staat abrücken, könnte es teuer für Eichel werden. Je schlechter das Rating, desto höher steigt der Zinssatz, der Anlegern gezahlt werden muss.

<P>Bekommt der Investor sein angelegtes Geld pünktlich zurück? Das ist die Kernfrage, die sich die Ratingagenturen stellen, wenn sie Staaten und Unternehmen einstufen. Deutschland hat bei den drei internationalen Größen der Branche einen exzellenten Stand. Sowohl die US-Giganten Standard & Poor's sowie Moody's als auch die europäische Agentur Fitch gewähren das Kürzel "AAA", das für höchste Bonität steht. Ein Anleger, der Bundeswertpapiere kauft, kann mit größter Sicherheit davon ausgehen, dass er sein investiertes Geld zurückerhält. Doch dieses Qualitätsmerkmal droht zu verblassen.</P><P>Fitch sandte kürzlich eine Experten-Abordnung nach Berlin, um die Solidität Deutschlands zu prüfen. "Die Analysten fragen sich zunehmend, ob die Einstufung AAA dauerhaft anhält", erklärt Fitch-Sprecher Horst Bertram. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen wird für Anfang Juni erwartet. Insider rechnen trotz der außerplanmäßigen Prüfung nicht mit einer Verschlechterung der deutschen Note. Allerdings könnte der im Rating enthaltene Ausblick von "stabil" auf "negativ" gesenkt werden. Das hieße, dass die Einstufung mit einer 50-Prozent-Chance innerhalb von zwei Jahren verschlechtert werden könnte, falls sich keine Besserung der Situation ergibt. Sorgen bereitet den Fitch-Analysten die hohe Staatsverschuldung. Das Defizit wird wohl auch heuer wieder größer ausfallen als im EU-Stabilitätspakt vorgeschrieben. Zudem gilt die hohe Arbeitslosigkeit als Signal einer schwächelnden Wirtschaft.</P><P>Zögern mit Reformen bereitet Sorge</P><P>In einer Studie zeigten sich die Analysten darüber besorgt, dass Reformen zu zögerlich umgesetzt würden, die "die langfristige Zukunftsfähigkeit der Staatsfinanzen untermauern und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern". Konkret: Abgabensenkungen müssen her.</P><P>Auf die Problembereiche konzentrierte sich die jetzige Prüfung. "Deutschland und Frankreich gehören nicht zu den Ländern, die etwas zu verbergen haben. Hier reichen größtenteils die allgemeinen Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten aus. Man muss nicht unbedingt vor Ort sein, wie das etwa für ein Land wie den Iran zutrifft", sagt Bertram. Trotzdem wollten es die Fitch-Analysten genau wissen. Bei Unternehmensratings ist der Vorstand Ansprechpartner für die Agenturen. Im Fall von Staaten befassen sich die Analysten mit Vertretern des Finanzministeriums, Gewerkschaften oder auch der Opposition im Bundestag.</P><P>80 Staaten stuft Fitch ein. Deutschland ist einer von elf mit der Bestnote AAA. Belgien etwa rangiert nur in der zweitbesten Klasse AA, weil der Schuldenstand des Landes über 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beträgt. Der Iran hat dagegen die Note B+, was einer höchst spekulativen Anlage entspricht. In dieser Stufe ist laut Fitch-Kategorisierung ein "signifikantes Kredit-Risiko vorhanden". Unternehmen haben ein höheres Ausfall-Risiko als Staaten und sind dementsprechend tendenziell schwächer eingestuft. Siemens etwa hat bei Fitch ein A+, Eon ein AA-. Lediglich die Landesbanken genießen ein AAA, weil für sie Staatsgarantien gelten - bis 2005. Dann werden sie ihren Ausnahme-Status wohl verlieren. Von den deutschen Banken wird sonst keine einzige mit AAA eingestuft.</P>

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