Herabgestuft: Spanien knapp über Ramschstufe

London - Wegen der Ankündigung Spaniens, Hilfen für seine Banken anzunehmen, sieht die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit des Landes geschmälert. Auch Zyperns Bonität wird wegen Griechenlands Unsicherheit gesenkt.

Spanien bekommt das Misstrauen der Anleger und Analysten immer härter zu spüren: Nachdem Madrid inzwischen für seine Anleihen Rekordzinsen zahlen muss, stufte die Ratingagentur Moody's Spanien am Mittwochabend von A3 auf Baa3 ab - das ist nur noch eine Stufe über Ramschstatus. Zypern wurde wegen seiner engen Verbindungen zu Griechenland tiefer in die Ramschstufe befördert, die Kreditwürdigkeit wird nur noch mit Ba1 bewertet. Lob gab es dagegen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) für Irland, das auf Konsolidierungskurs sei.

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Die Abstufung Spaniens sei Folge der Flucht unter den EU-Rettungsschirm zur Rettung maroder Banken, erklärte Moody's. Da Madrid für die bis zu 100 Milliarden schwere EU-Spritze gerade stehen müsse, steige somit auch die spanische Staatsverschuldung. Nach der nun erfolgten Senkung der Kreditwürdigkeit werde in den kommenden Monaten eine weitere Herabstufung geprüft.

Mit dem spanischen Staat wurde von Moody's auch noch gleich der Fonds für Bankenrestrukturierung, der 2009 gegründete Fondo de Reestructuración Ordenada Bancaria, auf die selbe Stufe Baa3 abgewertet. Begründung: Der Fonds werde vollständig und bedingungslos von der Regierung garantiert. Es sei klar, dass die Verantwortung für die Sanierung der Banken bei der spanischen Regierung liege, hieß es in der Moody's-Mitteilung.

Moody's erwartet, dass die spanische Staatsverschuldung in diesem Jahr auf 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen und bis zur Mitte des Jahrzehnts weiter zunehmen wird.

Zypern im Abwärtssog um Griechenland

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy forderte am Mittwoch bereits angesichts der zunehmenden Misere Hilfen der Europäischen Zentralbank für sein Land. In einem Schreiben an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionschef José Manuel Barroso hieß es, die EZB solle ein Programm zum Aufkauf spanischer Staatsanleihen wiederaufleben lassen. Mit den Käufen hatte die EZB im vergangenen Herbst die Zinsen für spanische Staatsanleihen gedrückt.

Die Kreditwürdigkeit von Zypern, die Moody's bereits im März auf Ramschniveau gesenkt hatte, wurde am Mittwochabend um zwei weitere Stufen auf Ba1 nach unten korrigiert. Begründet wurde dies mit neuen Sorgen angesichts eines möglichen Euro-Ausstiegs von Griechenland nach der Parlamentswahl am kommenden Sonntag.

IWF zahlt Irland weitere 1,4 Milliarden Euro aus

Der IWF sieht Irland trotz der Spannungen im Euroraum auf Konsolidierungskurs und zahlt Dublin deswegen eine weitere Rate von 1,4 Milliarden Euro aus dem gemeinsamen Rettungspaket mit der EU aus. Das unter den EU-Rettungsschirm geflüchtete Land habe im vergangenen Jahr seine Finanzen erheblich stabilisiert und Ende Mai seine Verschuldung um 1,3 Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt verringert, lobte der IWF in einer in Washington veröffentlichten Pressemitteilung. Dublin setze Reformen des Finanzsektors wie vorgesehen um. Der IWF stellt zur Sanierung Irland über drei Jahre 23,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Insgesamt erhält Dublin von EU und IWF 85 Milliarden Euro.

dapd

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