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"Die Route ist anspruchsvoller geworden": Infineon steht ein drastischer Umsatzeinbruch bevor.

Milliardenverlust bei Infineon

Rauer Gegenwind im Jammertal

München - Bislang war die Misere des Münchner Chipherstellers Infineon vor allem durch dessen marodes Tochterunternehmen Qimonda bedingt. Jetzt bricht auch das Kerngeschäft des Konzerns weg. Den Beschäftigten stehen Kurzarbeit und Zwangsferien bevor.

Infineon-Chef Peter Bauer wählte das Bild eines Bergsteigers, um die Lage seines Unternehmens zu beschreiben: "Die Route ist anspruchsvoller geworden und das Wetter schlechter", sagte er.

Es ist ein Jammertal, das man bei Infineon seit Jahren durchschreitet und über dem sich nun auch noch ein Hagelsturm zusammenbraut. Seit dem Börsengang im Jahr 2000 sprang nur einmal ein Gewinn heraus. 61 Millionen Euro waren das 2004. Ansonsten litt das Unternehmen stets unter immensen Verlusten. 3,122 Milliarden Euro Minus bleiben vom vergangenen Geschäftsjahr (Stichtag: 30. September), wie der Konzern gestern mitteilte. Und auch das nächste wird mit einem Defizit enden. Das ist so gut wie sicher.

Im Kerngeschäft mit Logikchips für Autos und Mobiltelefone lief es nicht allzu schlecht. Der Umsatz legte auf 4,321 Milliarden Euro zu. Die Autosparte erzielte 315 Millionen Euro operativen Gewinn. Die Mobilfunksparte halbierte ihren Verlust. Doch dann ist da noch Qimonda, die Speicherchiptochter, die Infineon wie ein Fels im Rucksack belastet.

Der überwiegende Teil des Milliardenverlusts von Infineon ist auf die Krisen-Tochter zurückzuführen. Der Konzern wollte sich schon lange von dem besonders schwierigen und verlustträchtigen Speichergeschäft trennen. Doch es fand sich niemand, der die Last schultern wollte. Und so besitzt Infineon noch immer 77,5 Prozent der Anteile an dem Unternehmen, dem im Kampf um seine Existenz nicht mehr viel Zeit bleibt. Ein Investor soll das Geschäft retten.

In den nächsten Wochen müsste er nach Qimonda-Darstellung gefunden werden. Sonst droht die Pleite. Mit mindestens zwei strategischen Investoren verhandele man über eine Qimonda-Übernahme, sagte Bauer. Näher wollte er sich nicht äußern. Angeblich kommt auch eine staatliche Stützung für das Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern in Dresden und 1500 in München in Frage.

Infineon hat den Wert seiner Qimonda-Anteile schon einmal auf null abgeschrieben. An der Börse notiert das Papier bei ein paar Cent. Deshalb lohnt es sich aus Sicht der Infineon-Manager auch nicht mehr, die Anteile an die Aktionäre zu verschenken wie zeitweise erwogen. Doch selbst nach der Komplett-Abschreibung könnte Qimonda noch für Ungemach sorgen.

Bricht Qimonda zusammen, könnte Infineon "erheblichen Verbindlichkeiten" ausgesetzt sein, warnte der Konzern. So könnten staatliche Fördergelder zurückgefordert werden oder Beschäftigte Ansprüche stellen. Dies seien Risiken, die man nicht quantifizieren könne, sagte Vorstandschef Bauer.

Auch wenn es nicht dazu kommt, wird das laufende Geschäftsjahr ein tristes. In den ersten drei Monaten rechnet Infineon wegen der Weltrezession mit einem Umsatzeinbruch um 30 Prozent. Im Gesamtjahr dürften es 15 Prozent minus werden. Ab einem Umsatz von 3,9 Milliarden Euro würde der Konzern Gewinne schreiben. Doch diese Schwelle wird ziemlich sicher nicht erreicht. Stattdessen rechnen Branchenkenner mit einem Verlust von 100 bis 200 Millionen Euro. Die Aktie brach gestern zeitweise um gut 40 Prozent auf unter einen Euro ein.

Infineon hat sein Sparprogramm nun verschärft. Um 250 Millionen Euro sollen die Kosten sinken. Zwar sei kein weiterer Stellenabbau zu erwarten - die laufende Streichung von 3000 Arbeitsplätzen ist großteils abgeschlossen -, doch der Konzern plant Werksferien und Kurzarbeit. Während Zwangspausen vorwiegend Standorte im Ausland treffen dürften, steht in Regensburg und Dresden ab Januar ein halbes Jahr Kurzarbeit an. Angesichts der Unterauslastung der Werke zeigt sich die IG Metall offen dafür. Es müssten aber betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden.

Dominik Müller

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