Raumfahrt-Fusion macht EADS zu schaffen

OHB und Kayser-Threde: - Eine Fusion wirbelt die deutsche Raumfahrt-Branche durcheinander: Die Bremer OHB_Gruppe, Nummer zwei der Branche in Deutschland, übernimmt die Nummer drei, den Münchner Mittelständler Kayser-Threde.

München - Ein neuer Gigant entsteht mit dieser jüngsten Übernahme nicht. Gut 1000 Mitarbeiter hat der neue Konzern: einige 100 davon arbeiten für andere Geschäftszweige im Luftfahrt- und Auto-Bereich. Das Übergewicht von EADS-Astrium mit 11 000 Mitarbeitern (davon 3500 in Deutschland) bleibt erhalten. Dennoch nimmt der Branchengigant die neue Konkurrenz ernst. Sowohl OHB als auch Kayser-Threde haben es in den letzten Jahren immer wieder geschafft, Astrium interessante Aufträge abzujagen. Gemeinsam sehen sie sich dafür noch besser gerüstet.

So holten sich die Bremer den Zuschlag für das militärische Satelliten-Aufklärungssystem SAR-Lupe. Und Kayser-Threde gewann als Konsortialführer den Wettbewerb um den Erdbeobachtungssatelliten Enmap, der Bilder von der Erdoberfläche liefern kann, die Aufschluss über die Zusammensetzung des Bodens ergeben. Er spürt damit wertvolle Rohstoffe auf.

Allerdings kämpft man in der Branche nicht immer gegeneinander. Je nach Projekt stehen sich die Unternehmen einmal als Konkurrenten, ein anderes Mal als Partner gegenüber. In Augsburg etwa fertigt OHB für Airbus, Eurocopter und Ariane und damit für EADS.

In Bremen arbeiten für OHB rund 300 Menschen, in Augsburg bei der OHB-Tochter MT-Aerospace über 400 und künftig in München bei Kayser-Threde mehr als 200. Dabei kann Augsburg als gutes Omen für München gelten. Denn 2005 hat der OHB-Konzern MAN-Technologies (die Raumfahrtaktivitäten des Lastwagen-und Motorenbauers) übernommen. Der Name blieb als Kürzel MT erhalten, die Managementstrukturen ebenso. So dürfte auch der eingeführte Namen Kayser-Threde im Rahmen einer Mehrmarkenstrategie unter dem neuen Dach nicht angetastet werden. Die Bremer führen ihren Konzern, der zu 60 Prozent der langjährigen Eigentümerfamilie Fuchs gehört, an der langen Leine.

So macht sich das Kayser-Threde-Management um den Geschäftsführer Jürgen Breitkopf keine Sorgen um die Zukunft. Personalabbau fürchtet Breitkopf nicht. "Es ist unser gemeinsames Problem, dass wir eher zu viel Arbeit haben", sagte er gegenüber unserer Zeitung. Der Trend sei auf Wachstum ausgerichtet. Die Chancen, an öffentliche Aufträge zu kommen, dürften unter dem neuen Dach eher gestiegen sein. Dies zumal ein nationales Unternehmen wie OHB nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit dem unter politischem Druck gebildeten europäischen Branchenführer EADS wieder deutlich bessere Karten hat.

Auch die Unternehmenskultur passt zusammen. "Da ist eine gewisse Verwandtschaft", sagt Breitkopf. Die Unternehmen seien jung und bislang Gründergeführt.

Die Übernahme dürfte voraussichtlich auch nicht die unternehmerische Endstation des OHB-Konzerns sein. Immer wenn ernsthaft über Interessenten für die Übernahme der zum Verkauf stehenden Airbus-Werke die Rede ist, fällt auch der Name OHB.

Der Konzern schweigt dazu eisern. Es ist aber nicht zu übersehen, dass er bereits seit der MT-Übernahme gewissermaßen ein Standbein im Airbus-Geschäft hat. Denn in Augsburg entstehen heute bereits Trink- und Abwassertanks für verschiedene Airbus-Typen.

Überdies baut MT Faserverbund-Strukturteile für die EADS-Tochter Eurocopter. Dies dürfte deshalb von besonderer Bedeutung sein, als Airbus-Kunden zunehmend die leichten Faserverbund-Teile fordern, EADS- und Airbus aber diese Technologie über lange  Zeit stiefmütterlich behandelt haben.

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