Raumfahrt und Satelliten - Bayern will in Europa die Nase vorn haben

Galileo-Kontrollzentrum: - Oberpfaffenhofen/Gilching ­- Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber ließ es sich gestern nicht nehmen, bei einer lieb gewonnenen Baustelle vorbeizuschauen. Tapfer lächelnd stapfte der Minister durch den Schnee und betrachtete die Kellerwände des Galileo-Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen - ein Prestige-Projekt, in das der Freistaat Bayern stattliche zehn Millionen Euro investiert.

Mit Genugtuung nahm der Minister zur Kenntnis, dass sich die Investition offenbar bereits bezahlt macht. "Wir werden schon beneidet", eröffnete ihm Professor Klaus Wittmann, Chef des DLR-Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen. Franzosen und Italiener hätten gemerkt, "dass wir sehr weit voranschreiten".

"Oberpfaffenhofen ist der Leuchtturm für das High-Tech-Land Bayern", verkündete der Minister daraufhin im benachbarten Gilching. Dort pumpt der Freistaat weitere Millionen in zwei sogenannte Cluster namens "Luft- und Raumfahrt" sowie "Satellitennavigation", die den Wirtschaftsstandort Bayern in weitere Höhen katapultieren sollen. "Bayern ist einer der wenigen Luftfahrtstandorte in Europa, an dem die komplette Wertschöpfungskette vom Entwurf bis zur Endmontage und Erprobung von Flugzeugen beherrscht wird", betonte Huber. Auch der Bereich Raumfahrt werde von großen Systemführern, aber auch einer Reihe mittelständischer Unternehmen geprägt.

"Kein Shuttlestart und kein Arianeflug erfolgt ohne Raumfahrttechnologie aus Bayern", sagte Huber, der besonders die "international anerkannte Rolle" des DLR-Raumfahrtkontrollzentrums in Oberpfaffenhofen heraushob. Dieses hat nach Angaben der DLR-Geschäftsführung bereits mehr als 50 Raumfahrtmissionen bestritten ­ gemeinsam mit NASA und ESA, aber auch mit Raumfahrtnationen wie Indien, Russland und China.

Seit 2003 richten das DLR und der Freistaat gemeinsam verstärkt den Fokus auf das europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Im Rahmen der Hightech-Offensive Bayern gründeten sie in Oberpfaffenhofen ein Anwendungszentrum für Satellitennavigation, in dem Firmen an Nutzungsmöglichkeiten von Galileo tüfteln. Bei dem europaweiten Wettbewerb "Galileo"-Masters werden zudem jährlich die besten Anwendungsideen prämiert. Und im Berchtesgadener Land geht im März eine Testumgebung (GATE) in Betrieb, in der Entwickler ihre Galileo-Geräte frühzeitig testen können.

Mit den beiden gestern eröffneten "Clustern", in denen Forschung, Entwicklung und Vermarktung in den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie Satellitennavigation noch stärker zusammenwachsen sollen, will Bayern nun "die Tür für eine enorme Zukunft aufmachen", sagte Huber.

Eine spätere Bemerkung von Jürgen Ackermann ­ ehemals "Galileo Industries", nun "European Satellite Navigation Industries" ­ ging da fast unter. Man mache sich noch Sorgen über einen Folgeauftrag über 26 Satelliten, sagte er. Bleibe dieser bis Ende des Jahres aus, sieht Ackermann die geplante Inbetriebnahme von Galileo bis zum Jahr 2011 "stark gefährdet". Das Projekt werde "schlicht und einfach teurer".

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