Raus aus miesem Riester-Vertrag: Wann es sich lohnt und wann nicht

- Über fünf Millionen Bundesbürger haben sich seit 2002 einen freiwilligen Riester-Rentenvertrag fürs Alter zugelegt. Doch längst nicht jeder Sparer ist mit seiner Wahl noch zufrieden. Im Jahr fünf nach Start des staatlich gesponserten Zusatzsparens sieht sich so mancher nach besseren Angeboten um: Dem einen ist aufgegangen, dass er nicht die renditestärkste Lösung erwischt hat. Andere müssen umsteigen, weil sich ihr Anbieter aus dem Geschäft zurückzieht.

"Die ersten Leute fangen an rumzuwechseln", hat Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, beobachtet. Grundsätzlich hat der Gesetzgeber den Kunden eine Wechselmöglichkeit eingeräumt, zu jeder Zeit, mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Riester-Sparer dürfen ihr angesammeltes Guthaben mitsamt Fördergeldern zu einem anderen Anbieter mitnehmen, wenn sie das wünschen. Der Pferdefuß: Hohe Gebühren können den Umstieg teuer machen. So teuer, dass sich ein Wechsel mit geschrumpftem Restguthaben manchmal nicht mehr lohnt, wie Peter Grieble, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, betont.

Im Kleingedruckten steht, was der Ausstieg kostet

Wer aus seiner bisherigen Riester-Lösung raus will, sollte zunächst ins Kleingedruckte des Vertrags gucken. Da steht genau drin, wie teuer ihn ein Ausstieg zu stehen käme. Die meisten Anbieter verlangen eine einmalige Gebühr, etwa 50 oder 100 Euro, völlig unabhängig vom aktuellen Gthaben respektive Beitrag. Bei vielen Banksparplänen fallen oftmals gar keine Wechselkosten an. Auch Besitzer von Fondslösungen komme ein Umstieg häufig nicht allzu happig zu stehen.

Komplizierter und kostspieliger kann es für Sparer werden, die sich für eine Rentenversicherung entschieden hatten, den Verkaufsrenner unter den drei möglichen Riester-Varianten. Da kann es sein, dass die Kosten beispielsweise prozentual zur Höhe des beim Wechsel bereits gebildeten Kapitals berechnet werden. Außerdem können Belastungen entstehen, die abhängig von der Provisionsstruktur sind. Werden Abschluss- und Vertriebskosten großzügig über die gesamte Ansparzeit verteilt, kann ein Kunde mehr Geld mitnehmen. Zieht der Anbieter diese Provisionen gleich in den ersten Jahren ab, schmälert das das angesparte Guthaben.

Das alte Guthaben ruhen lassen

Trotz saftiger Gebühren kann es sich in einigen Fällen dennoch rechnen, umzusatteln. Wie Merten Larisch, Rentenexperte der Verbraucherzentrale Bayern, betont, gibt es vor allem im Bereich der Rentenversicherungen gewaltige Leistungsunterschiede. Bei schlechten Verträgen könne die Rentenzahlung für den Kunden um 250 bis 700 Euro niedriger ausfallen, Monat für Monat. Wer aus einem schwachen Vertrag raus will, muss penibel rechnen.

Wer zu dem Schluss kommt, sein bislang erspartes Riester-Vermögen lieber nicht zu übertragen, weil die Wechselkosten zu sehr drücken, dem steht immer noch folgendes Szenario offen: Den ungünstigen alten Vertrag nicht weiter besparen, also ruhen lassen. Und parallel dazu mit einem besseren Anbieter ganz neu anfangen. Die staatliche Förderung sei problemlos auf den neuen Vertrag übertragbar, betont Grieble. Nach seiner Erfahrung sei "das Ruhenlassen oft finanziell interessanter".

Voraussetzung: Die Kostenbelastung für die alte Riester-Police fällt nicht zu hoch aus. "Auch für das stille Weiterlaufenlassen können saftige Gebühren anfallen", gibt Grieble zu bedenken. Riester-Kunden sollten sich immer fragen: "Wie katastrophal war mein bisheriger Abschluss? Und wie viel Mehrgewinn bringt mir der Neue?"

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