Raus aus dem Schuldensumpf: Verbraucherinsolvenz beantragen

- Es kann ganz schnell gehen: Die Firma geht Pleite, der Job ist weg. Plötzlich können die Kreditraten für Auto und Haus nicht mehr bezahlt werden. Überschuldet heißt das. Wie aber kommt man aus dem Schlamassel wieder heraus? Wenn nicht gerade die geldige Oma helfen kann, ist das Verbraucherinsolvenzverfahren eine Perspektive.

<P>Seit 1999 gibt es das "Inso", das es Privatleuten ermöglicht, innerhalb von etwa sieben Jahren schuldenfrei zu werden. Weil das Verfahren kompliziert ist, sollten sich Betroffene an eine Beratungsstelle wenden. Hilfe zum Nulltarif gibt es bei gemeinnützigen Einrichtungen wie dem Sozialreferat der Stadt München oder dem Bayerischen Roten Kreuz (siehe Kasten). "Wegen des großen Bedarfs ist allerdings mit Wartezeiten zu rechnen", erklärt Gabriele Giegler vom Sozialreferat München. Schneller, aber auch teurer, geht es beim Anwalt. Egal, von wem man sich beraten lässt, das Verfahren läuft in maximal vier Etappen ab:<BR><BR>Einigen ohne Gericht</P><P>Zuerst wird versucht, eine außergerichtliche Einigung zwischen Schuldner und Gläubigern zu erreichen. Dazu muss der Schuldner einen Plan entwerfen, aus dem hervorgeht, wie viel seiner Schulden er in welcher Zeit begleichen kann. Damit der Plan in Kraft tritt, müssen alle Gläubiger zustimmen. Tun sie das nicht, muss der Schuldner bei Gericht einen Insolvenzantrag stellen.<BR><BR>Insolvenz beantragen</P><P>Dazu muss der Betroffene verschiedene Formulare einreichen, in denen er unter anderem über seine Vermögenslage Auskunft gibt. Wichtig ist auch eine Bescheinigung über das Scheitern der außergerichtlichen Verhandlungen, die von der Schuldnerberatungsstelle ausgestellt wird. Außerdem muss der Betroffene einen "Schuldenbereinigungsplan" abgeben. Er muss darin erneut darlegen, wie er seine Verpflichtungen einlösen will. Erkennt das Gericht Chancen auf eine Einigung, versucht es den Plan bei den Gläubigern durchzusetzen. Dabei reicht es, wenn nach Anzahl und Schuldsumme die Mehrheit der Gläubiger zustimmt. Wird der Plan abgelehnt, wird das Insolvenzverfahren eröffnet.<BR><BR>Insolvenzverfahren</P><P>Dabei setzt das Gericht einen Treuhänder ein. Ähnlich wie ein Gerichtsvollzieher ermittelt der das pfändbare Vermögen des Schuldners und verwertet es. Das Geld geht an die Gläubiger.<BR><BR>Wohlverhaltensperiode</P><P>Diese letzte Phase dauert sechs Jahre ab Eröffnung des gerichtlichen Insolvenzverfahrens. In dieser Zeit muss der Schuldner den pfändbaren Teil seines Einkommens an die Gläubiger auszahlen. Wie viel das ist, hängt vom Nettoverdienst ab und von der Anzahl der Personen, die davon leben müssen. Nach dieser Zeit erlässt das Gericht die Restschuld - auch dann, wenn der Schuldner überhaupt kein pfändbares Einkommen hatte.<BR></P>

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