Razzia bei Siemens

- München - In einer groß angelegten Razzia haben rund 200 Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder am Mittwoch den Siemens-Konzern durchsucht. "Es besteht der Verdacht, dass einzelne Angestellte des Konzerns Gelder veruntreut haben", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler in München.

Die Ermittler nahmen rund 30 Büros und Privatwohnungen von Siemens-Mitarbeitern in München, Erlangen und anderen Orten unter die Lupe. Der Siemens-Konzern will die Fahnder bei den Ermittlungen unterstützen.

Nach Informationen von "Spiegel Online" sollen Mitarbeiter des Konzerns Bestechungsgelder an potenzielle Auftraggeber gezahlt haben. Der Transfer soll teilweise auch über Auslandskonten, unter anderem in der Schweiz, abgewickelt worden sein. Dazu wollte sich der Staatsanwalt nicht äußern. Mit den Siemens-Richtlinien sind Geldzahlungen an Auftraggeber nicht zu vereinbaren. "Es gibt bei uns klare Regeln, was an Geschenken erlaubt ist", sagte ein Sprecher.

Trotzdem kommt es in Konzernen immer wieder vor, dass sich Mitarbeiter durch die Zahlung von Bestechungsgeld Aufträge und somit Provisionen sichern wollen oder umgekehrt Geld von Lieferanten annehmen und diese bei der Auftragsvergabe bevorzugen. Erst vor zwei Monaten war der frühere Einkaufsleiter des BMW-Konzerns vom Münchner Landgericht wegen Bestechlichkeit zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte rund eine Million Euro Schmiergeld von fünf Zulieferern erhalten. Auch ehemalige Siemens-Manager waren wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen bereits ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

Durch die Durchsuchung am Mittwoch wollten die Fahnder klären, ob und in welcher Form Geld an Siemens-Auftraggeber geflossen ist. Wie die Ermittler auf die Spur der verdächtigen Mitarbeiter kamen, blieb unklar. "Dazu wollen wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht äußern", sagte der Staatsanwalt. Siemens zeigte sich kooperativ. "Wir unterstützen die Ermittlungen in jeder Form", sagte ein Siemens-Sprecher. In welchem Bereich die Mitarbeiter beschäftigt sind oder waren und welche Standorte durchsucht wurden, ließ er mit Hinweis auf das schwebende Verfahren offen.

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