„Was? Ein Streik?“

Ausfälle: So reagieren die Reisenden

Frankfurt - Lange Gesichter und Warteschlangen an Flughäfen und Bahnhöfen? Fehlanzeige. Zwar sind rund 100 000 Reisende vom Streik der Lufthansa-Flugbegleiter betroffen. Doch viele haben sich gewappnet.

Brigitte Maier schaut voller Vorfreude auf die Anzeigetafel in Abflughalle A am Frankfurter Flughafen. „Wir haben zwei Tage lang zu Haus gezittert“, sagt die 56-Jährige aus Bad Dürkheim in der Pfalz. Sie fliegt mit ihrem Partner nach Athen, und von da aus weiter auf die Insel Samos. „Acht Tage aufs Schiff und segeln.“ Ihr Lufthansa-Flug kann wie geplant abheben - trotz des bundesweiten Streiks der Flugbegleiter bei Europas größter Airline.

Klar war das zunächst keineswegs: Denn für Freitag hatte die Gewerkschaft Ufo die Stewards und Stewardessen der Lufthansa in ganz Deutschland zum Streik aufgerufen. Europas größte Fluggesellschaft hat rund 1000 Verbindungen gestrichen, rund 100 000 Reisende sind betroffen. Vom befürchteten Chaos ist aber nichts zu spüren.

An der Anzeigetafel im Terminal 2 des Münchner Flughafens steht bei etwa jedem zweiten Lufthansa-Flug „annulliert“. Ansonsten gibt es am Morgen nur wenige Spuren vom Streik der Lufthansa-Flugbegleiter. Keine Schlangen - weder vor den Ticket- noch vor den Check-in-Schaltern. Die rund hundert Feldbetten, die vorsichtshalber in einer Ecke des Terminals lagern, bleiben unbenutzt.

„Die meisten Fluggäste, deren Flug nicht geht, sind gar nicht erst gekommen“, erklärt ein Flughafensprecher in München. Sie wurden vorab informiert. „Was? Ein Streik?“, fragt die 21-jährige Alexandra Suladzni, die zum Eingang für den Sicherheitscheck spurtet. Die Georgierin fliegt um halb zehn nach Wien, wo sie studiert. Ihr Flug geht pünktlich.

Am Flughafen Düsseldorf stehen gelangweilt wirkende Mitarbeiter am Lufthansa-Check-in. Es ist wenig los. Dietmar Meding wartet in der Schlange beim Lufthansa-Konkurrenten Air Berlin. Der Mann in Anzug und Krawatte fällt auf zwischen den Urlaubern.

Meding will geschäftlich nach Wien - seine Sekretärin hat für ihn umgebucht. „Ich persönlich habe durch den Streik keine großen Umstellungen“, sagt er. Für die Streikenden habe er Verständnis. „Aber ich verstehe nicht, warum sich die einzelnen Gewerkschaften von Piloten, Boden- und Bordpersonal nicht zusammenschließen, dann würden sich die Streiks nicht so häufen.“

Einige Kilometer weiter am Düsseldorfer Hauptbahnhof herrscht am Morgen das übliche Gewusel zum Berufsverkehr. Die zusätzlichen Reisenden, die wegen des Streiks vom Flugzeug auf die Bahn umsteigen, fallen kaum auf. Auf Gleis 16 fährt ein ICE mit Fahrtziel Frankfurt und München ein. Der Reisende Bernhard Herrmann ist zuversichtlich: „Die paar Leute, die innerhalb von Deutschland fliegen und jetzt stattdessen die Bahn nehmen, die passen in die Züge doch locker mit rein.“

Auch in Frankfurt gibt es auch keinen großen Ansturm am Hauptbahnhof. Der Mitarbeiter einer Autovermietung sagt: „Das ist ein Freitag wie jeder andere auch.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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