Reallöhne sinken weiter

- Hamburg/Wiesbaden - Die Reallöhne in Deutschland werden 2006 einem Zeitungsbericht zufolge das dritte Jahr in Folge sinken. Das besage eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

"Die Arbeitnehmer müssen in diesem Jahr eine Reallohnentwicklung von minus 0,7 Prozent hinnehmen", sagte der Tarifexperte Thorsten Schulten vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung dem "Hamburger Abendblatt" (Freitag). Die erwartete Inflation von mehr als zwei Prozent übersteige den Zuwachs der Tariflöhne von durchschnittlich 1,5 Prozent. Den geringsten Anstieg der Tarifgehälter seit 1995 verzeichnete das Statistische Bundesamt in diesem Frühjahr.

"Viele Beschäftigte erhalten noch nicht einmal mehr die ausgehandelten Tariferhöhungen", sagte Schulten. Um Arbeitsplätze zu sichern oder Produktionsstandorte in Deutschland zu halten, vereinbarten viele Arbeitgeber mit den Beschäftigten betriebliche Sonderregelungen und kürzten dabei zum Beispiel Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. "Oft werden Tariferhöhungen auch mit übertariflichen Leistungen verrechnet, so dass die Mitarbeiter dann keinen Cent zusätzlich in der Tasche haben." Angesichts der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent erwartet Schulten einen weiteren Kaufkraftverlust der Arbeitnehmer.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden stiegen die Gehälter der Angestellten in Deutschland in diesem Frühjahr so gering wie seit 1995 nicht mehr. Die tariflichen Monatsgehälter lagen im April nur um 0,7 Prozent über dem Vorjahresstand. Bei den Arbeitern stiegen die tariflichen Stundenlöhne um 1,1 Prozent. Damit bewegten sich die Lohnerhöhungen seit dem Tiefstand Mitte 2005 auf unverändert niedrigem Niveau. Da die Verbraucherpreise im April 2006 um zwei Prozent über dem Vorjahr lagen, bedeuten die geringen Tariferhöhungen Reallohnverluste.

In den einzelnen Branchen war die Entwicklung unterschiedlich. Die Angestellten in Bund, Ländern und Gemeinden sowie wie im Luft- und Raumfahrzeugbau und der Luftfahrt bekamen keine Tariferhöhungen. Bei den Arbeitern stiegen die Tariflöhne bei Bund, Ländern und Gemeinden um 0,2 Prozent. Lohnverluste mussten die Bauarbeiter hinnehmen. Die Erhöhung der Wochenstunden ohne Lohnausgleich kommt einem Minus von 0,7 Prozent gleich. Mehr verdienten dagegen Arbeiter und Angestellte etwa in der Tabakverarbeitung, im Schienenfahrzeugbau, in der chemischen Industrie und im Bekleidungsgewerbe.

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