Sinkende Heizölpreise

Zur rechten Zeit den Tank füllen

Während der Preis für Rohöl abstürzt, verbilligt sich Heizöl vergleichsweise langsam. Die Kernfrage lautet: Wird es noch günstiger oder ist jetzt die richtige Zeit, den Tank vollzumachen?

Die Finanzmarktkrise hat dem Rohölpreis arg zugesetzt. Im Sommer kostete ein Standardfass mit 159 Litern US-Leichtöl knapp 150 US-Dollar. Aktuell liegt der Preis bei unter 60 Dollar, was einem Rückgang von fast zwei Dritteln entspricht. Das entlastet vor allem Autofahrer und Haushalte mit Ölheizung, die jetzt günstiger nachtanken können. Doch gerade beim Heizöl fällt die Freude gedämpft aus: Vielen Verbrauchern stößt sauer auf, dass die Preise bislang gerade mal um 30 Prozent nachgaben.

Der Ärger scheint begründet. Als der Ölpreis Anfang 2007 bei 60 Dollar lag, kostete ein Liter Heizöl 50 Cent. Derzeit verlangen die Händler in Bayern bis zu 70 Cent bei einer Abnahmemenge von 3000 Litern. Fragt man bei den Lieferanten nach, so werden oft der Dollarkurs und der hohe Steueranteil als Gründe für den schwachen Rückgang genannt. Der Vergleich zu 2007 zeigt aber, dass beide Gründe nicht stichhaltig sind. Seit damals hat sich die Höhe der Steuer nicht verändert und der Euro-Dollar-Kurs lag wie heute bei 1,27 US-Dollar. Richtig ist aber, dass Heizöl als eigene Ölsorte an den Terminbörsen gehandelt wird und somit zwar tendenziell dem Rohölpreis folgt, aber dennoch eine Eigendynamik entwickeln kann.

Die Mineralölgesellschaften waren in den letzten Monaten die Krisengewinner. Der Kursrutsch beim Rohöl löste im Oktober eine Nachfragewelle nach Heizöl aus. Während die einen sich den günstigen Preis sichern wollten, waren bei vielen anderen die Öltanks so leer, dass ein Kauf dringend nötig war. Die Lieferanten und Raffinerien waren auf diesen Ansturm aber kaum vorbereitet und so waren Lieferzeiten von bis zu sechs Wochen keine Seltenheit.

Die Nachfrage hatte auch zur Folge, dass die Gewinnmargen so deutlich stiegen, dass sich der Heizölpreis hierzulande vom Weltmarkt abkoppelte. Zudem führte die enorme Auftragslage zu nicht mehr ausreichenden Transportmöglichkeiten sowie einem Mangel an Raffineriekapazitäten. Das spürten vor allem die Kunden in Bayern, wo der Preis für Heizöl zum Teil 15 Prozent höher lag als in Hamburg. In den letzten Tagen ließ die Nachfrage allerdings nach und auch die regionalen Unterschiede nahmen ab. Die Lieferzeiten betragen im ungünstigen Fall aber nach wie vor einige Wochen.

Mancher Heizölkunde zögert noch immer, ob jetzt der richtige Zeitpunkt zum Kauf oder Nachkauf ist. Nicht ganz zu Unrecht: Es ist zwar davon auszugehen, dass der Ölpreis langfristig wieder steigt, für die nächsten Wochen geben Experten aber einer nachhaltigen Erholung eine geringe Chance. Die rückläufige Nachfrage insbesondere aus China und Rezessionsängste drücken auf die Stimmung. Auch die Tatsache, dass viele Spekulanten die Ölmärkte verlassen haben und die Opec den Preisverfall bisher nicht stoppen konnte, unterstreichen diese Einschätzung. Wer also noch Heizöl im Tank hat und mit der Bestellung etwas warten kann, sieht womöglich noch niedrigeren Preisen entgegen.

Auch die Aufschläge, die aktuell noch bezahlt werden müssen, werden wieder geringer. Sobald die Nachfrage zurückgeht und sich somit auch die Raffinerie- und Transportprobleme gelöst haben, gleichen sich die Preise wieder dem Weltmarkt an.

Ob man dann gleich größere Mengen bestellen soll, hängt von der Tankgröße und der persönlichen Strategie ab. Ein randvoller Tank bindet Kapital, schafft aber für einen längeren Zeitraum Planungssicherheit. Wer auf weiter fallende Preise setzt, sollte zumindest schrittweise nachkaufen, um nicht von einem plötzlichen Preisanstieg überrascht zu werden. Aufgrund der differierenden Preise unter den Händlern sollte man zudem vor der Bestellung immer mehrere Angebote einholen.

Florian Öhnbeck

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